Sicherheit und viele Paare Augen

Paul Frühauf

Paul Frühauf

Als würde eine der höchsten Polizeidichten Österreichs und tausende Überwachungskameras im Stadtgebiet nicht reichen, hat Bürgermeister Franz Dobusch seinem jungen Stadtrat Detlef Wimmer von der FPÖ einen Herzenswunsch erfüllt: Weil angeblich der Wählerwille ‘nicht länger ignoriert’ werden könne, hat der Linzer Gemeinderat mit den Gegenstimmen von Grünen und KPÖ letzten Donnerstag beschlossen, daß Linz ab September 2010 eine Stadtwache bekommt.

Das ist eine uniformierte Truppe, die auf den Straßen für Ordnung sorgen soll.

Und ja, das denken nicht nur Sie sich, so was haben wir doch eigentlich schon. Nennt sich Exekutive, ist in Linz an jeder Ecke anzutreffen, vor allem aber gerade dann blitzartig an der nächsten Haltestelle zur Stelle, wenn ein Schwarzfahrer keinen Ausweis dabei hat.

Hier ein kleiner Denkanstoß. Es handelt sich bei diesen Beamten doch wohl um genau so ausgebildete, ausgerüstete und kompetente PolizistInnen, die genauso gut dort im Einsatz sein könnten, wo scheinbar die Unmengen brutalster Verbrechen passieren, die FPÖ und ÖVP so schön auf ihre Wahlwerbeplakate gemalt haben. Dazu noch ein bisschen weniger Abkassieren an gewissen Straßen und schon wären genügend Einsatzkräfte frei, um das Zöhrdorferfeld, das Ennsfeld, Auwiesen und wo sonst noch überall ein politisch verordneter Angstzustand herrscht, in urbane Festungen zu verwandeln.

Es ist keine Frage, dass es auch in Linz Problemgebiete mit Handlungsbedarf gibt. Die sind allerdings nicht mit einer privaten Ordnertruppe zu lösen, die entweder aus schlagstockbewehrten Aushilfsrambos besteht oder sowieso keine Kompetenzen hat. So eine Truppe hat nur eine Aufgabe, und das ist, Anti-Ausländer-’Argumente’ von Stadtrat Wimmer zu untermauern. Glaubt tatsächlich jemand, diese Leute werden nicht den Auftrag haben, besonders auf Migranten und sonstige nicht ins rechtsrechte Weltbild Passende zu achten? Natürlich gehen dann die Anzeigenzahlen nach oben und die Brandreden des Politikers, der auch der bekannten linkslinken Organisation Bundesheer zu rechts war, bekommen frischen Brennstoff.

Lösung Eigenverantwortung

Wie so viele Probleme lösen sich die meisten dadurch, etwas Eigeninitiative zu zeigen. Keiner verlangt patrouillierende bewaffnete Bürger in den Straßen. Meist reicht es, aufeinander zuzugehen und zu reden anstatt nach einer wie immer gearteten Autorität zu rufen (und im Notfall gibt’s immer noch die Polizei). Ja, das fordert Eigeninitiative. Das erfordert vielleicht sogar Mut. Die Absenz von Mut in der Zivilbevölkerung, eine Schafmentalität, fördert aber Tendenzen, in denen die Obrigkeit immer mehr und mehr Macht an sich reißt. Solchen gilt es entgegenzuwirken – denn die Freiheit ist ein kostbares Gut, das nur allzu schnell gegen wirkliche oder eingebildete Sicherheit eingetauscht wird. Zu diesem Thema wusste schon Benjamin Franklin Mitte des 18. Jahrhunderts: “Diejenigen, die  Freiheiten aufgeben würden, um geringe vorübergehende Sicherheit zu erkaufen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.”

Franklin war auch einer der Unterzeichner der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und wusste daher durchaus, wovon er sprach.

Was Linz, Oberösterreich und Österreich ganz sicher nicht brauchen sind private Schnüffler und Beobachter, die ihren politischen Vorgesetzten brav Bericht erstatten. Ohne jetzt jemandem etwas unterstellen zu wollen – das hatten wir schon einmal, und wie es ausgegangen ist, weiß jedes Schulkind. Müssen wir erst warten, bis die Stadtwache schmucke Armbänder bekommt, um zu bemerken, was vorgeht?

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KommentareTop

  1. Nikola 16.12.2009 00:43

    Lieber Paul,

    das mit der Zivilcourage (auf die Leute) zu gehen ist so eine Sache. Ja es erfordert tatsächlich Mut, und am besten ist es auch gleich eine Nahkampfausbildung absolviert zu haben! Denn schneller als man denkt, wendet sich der Angriff dann gegen dich. Was dir passieren kann ist folgendes: Mann schlägt seine Frau. Du mischt dich ein, trennst den Mann von der Frau und plötzlich gehen beide auf dich los. Oder du bittest doch eine Horde Jugendlicher im Bus, sich die Zigaretten auszublasen. Bald darauf wirst du bedroht, bepöbelt und angespuckt. Bis du Montag früh schon mal mit der Linie 43 oder 41 gefahren. Es stinkt nach Erbrochnem, kalten Zigaretten? Hast du dich schon mal ein halb angefressenes Bosna gesetzt? Wieviele Diskussionen mußtest du mit Leuten führen in den Öffis die Handies abzudrehen? Das alles heißt es auf die Leute zugehen. Ich für meinen Teil habe beschlossen meine Probleme selber zu lösen! Ich ziehe aus einem niedergewohnten Stadtteil weg! Ich fahre mit keinen Öffis mehr! Ich gehe am WE nicht mehr in die Altstadt und mache das was der Bürger macht, wenns ihm zu blöd wird! Rückzug ins Private! Auf Zivilcourage (auf die Leute zugehen) habe ich längst keinen Bock mehr, und schon gar nicht, in Zeiten, wo man sich Nierenquetscher, Rambomesser und Schlagstöcke im Internet bestellen kann. Ich wurde zweimal überfallen, unzählige Male bedroht, viele meine Freunde hat es übel erwischt, nach “auf die Leute zugehen” Aktionen. Narben im Gesicht, ein paar Tage im Krankenhaus. Nachher bist du kein Held mehr! Ich bin so wie du gegen eine Stadtwache, doch dafür, dass die Polizei endlich durchgreift, dass Gesetze, die bestehen konsequent exekutiert werden, und mehr Polizeipräsenz auf den Straßen. Es würde schon reichen, wenn die Polizei eine Fußtruppe für die Landstraße stellen würde, um zu verhindern, das öffentliches Eigentum verschmutzt wird, sich nicht jeder Möchtgernkünstler hinstellen kann, um Katzenmusik zu machen. Zwei Hundepatroullien in der Altstadt würden auch ein kleines Wunder bewirken.

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    Willi 28.12.2009 08:58

    Gut ausgebildete Polizei, unterstützt im Innendienst, stark im Außendienst gepaart mit Zivilcourage wäre wohl ein guter Zugang. Sinnvoll wären auch ein paar couragierte Politiker. Es geht ja nicht immer um Handgreiflichkeiten, sondern darum, Spielregeln für ein Zusammenleben klar auszusprechen und auch zu exekutieren.

    Peter 03.01.2010 12:42

    Was ist eigentlich aus den angekündigten Postlern geworden, die die Polizei seit Sommer im Innendienst unterstützen? Weiß jemand, welche Erfahrungen hier gemacht wurden und in welchen Bundesländern?

  2. Inge B. 14.12.2009 13:52

    Benjamin Franklin: “Diejenigen, die für ein wenig vorrübergehende Sicherheit grundlegende Freiheiten aufgeben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.”

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  3. Peter 12.12.2009 15:55

    In Graz gibt es auch bereits so eine Stadtwache. Weiss jemand mehr darüber?

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  4. - Neues Betätigungsfeld. 10.12.2009 17:25

    [...] erwünscht: http://blog.liberale.at/2009/12/sicherheit-und-viele-paare-augen AKPC_IDS += "1062,";Weitersagen! Digg it Bookmark it Stumble it Float it 0 [...]

  5. Unternehmer 10.12.2009 14:43

    Meinten Sie Schafmentalität oder Schlafmentalität. Die meisten Menschen verschlafen die Entwicklung und lassen sich gern vom Staat verhätscheln und umsorgen. Sie merken gar nicht, wie die Politik immer mehr Macht an sich reißt und wir immer unmündiger werden.

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    Paul Frühauf 10.12.2009 17:22

    Ein schönes und sehr passendes Wortspiel! Ja, ist leider so. Und so wollen es Politiker der meisten Couleur auch: Immer schön mit Zuckerbrot und Peitsche Abhängige züchten, bis die Falle eines Tages zuschnappt. Der mündige, gebildete und auch wehrhafte Bürger ist die größte Gefahr dafür, zu tun und lassen was man will.

  6. Miriam Kofler 10.12.2009 08:42

    Aber leider – Bürgermeister Dobusch ist schon umgefallen. Hat ja leider niemand ahnen können, daß sich die ÖVP mit ihren Angstplakaten so durchsetzt, obwohl mit ÖVP und FPÖ keine Mehrheit (ohne SPÖ) dafür vorhanden gewesen wäre.

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    Thomas 11.12.2009 16:22

    Leider ist in Österreich der Wunsch nach “Ordnung” sehr hoch, sehr viele Menschen wünschen sich sogar eine Truppe die für Ordnung sorgt. Ob diese Menschen auch wissen was dies für sie bedeuten kann , wage ich zu bezweifeln. Meist höre ich auch Kommentare wie “ich habe ja nichts zu verbergen”. ich habe ich nichts zu verbergen, möchte aber auch keinen Striptis machen müssen.
    In Wien gibt es bei den Wiener Linien eine Truppe die auf die “Ordnung” achtet, dazu auf eine Video-Überwachung auf angeblich schlecht gesicherten Servern. Überlegt wird auch noch ein Ess und Trink-Verbot einzuführen. Wiener Wohnen hat in den Gängen der Gemeindebauten Überwachungskammeras aufgestellt, “Anonyme Fragegoben” mit der Kundennummer im Strichcode an die Mieter verschickt. Lage Zeit hat der Kreditschutzverband von 1830 geleugnet das es eine “Negativ-Liste” von Bankkunden gibt. Polizisten haben Daten aus dem Ekis-System verkauft usw.
    Nun einen Vorschlag für die Uniform der Stadtwache von Linz möchte ich dennoch machen:
    http://www.stadtwache.de/index.html

    Thomas 11.12.2009 16:34

    http://diepresse.com/home/panorama/wien/514787/index.do?gal=514787&index=1&direct=&_vl_backlink=&popup=

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