Versäumnisse in der Universitätspolitik: Studentinnen und Studenten wehren sich

Ronald Pohoryles
Die Versäumnisse der Hochschulpolitik in den letzten Jahren haben zu so unerträglichen Zuständen geführt, dass nun die Studierenden sich auch in Österreich zu wehren beginnen. Die Bewegung hat mit den Protesten der Studentenbewegung in den 1960er Jahren wenig zu tun; es geht um die katastrophalen Studienbedingungen. Auch in Frankreich ist diese Tendenz spätestens seit den Studentenprotesten 2006 deutlich geworden: Es geht um Studienbedingungen und, jedenfalls in Frankreich, um Karrierechancen. In Frankreich haben die Proteste zwar noch zu keinen nachhaltigen Verbesserung des Zustands der Universitäten geführt; aber 2006 konnte eine Gesetz zu Fall gebracht werden, dass die Arbeitsbedingungen bei der Aufnahme der ersten Berufstätigkeit deutlich verschlechtert hätte (und das nicht nur für Studierende). Zu hoffen, dass der Protest die hilflose österreichische Universitätspolitik endlich aufrüttelt. Bedauerlich, dass sich die Lehrenden kaum mit der spontanen Bewegung solidarisieren.
Erstaunlich auch, dass sich die Presse wenig um die Realität der österreichischen Universitäten schert und oft nur Häme für die Notwehraktionen der Studierenden aufbringt. Über Herrn Unterberger brauchen wir uns wohl nicht zu wundern. Über die Presse aber schon mehr: Unter “Die Partysanen vom Audimax” fällt dem Presse-Redakteur Oliver Pink nur die “Partynacht” auf und unterstellt den protestierenden Studierenden, sie seien nicht die eifrigsten; diese wären durch die Protestmaßnahmen am Studieren gehindert (”Die Presse” vom 25.Oktober). Durch die Realität des Studienalltags in überfüllten Hörsälen, die mangelnde Betreuung, das Warten auf Laborplätze und Praktikumsplätze, etc., nicht?
Natürlich, nicht alle Forderungen der Studierenden sind berechtigt; man kann aber auch nicht von einer spontanen Protestbewegung erwarten, dass sie ein rational ausgewogenes Programm vorzulegen im Stande ist. Bemerkenswert aber, dass diese Bewegung spontan mit einem Generalstreik an der Akademie der bildenden Künste begann, der nur zwei Tage später zur Besetzung des Auditorium Maximum der Universität Wien führte.
Die Studierenden haben scheinbar jenen bildungspolitischen Weitblick, der der österreichischen Universitätspolitik, aber auch den Rektoren und zahlreichen Professoren und den leider weniger zahlreichen Professorinnen abgeht. Diese sehen den bequemsten Ausweg: Zugangsbeschränkungen. Wissenschaftsminister Hahn missbraucht den Missstand dazu, die Wiedereinführung der Studiengebühren zu fordern, ohne zugleich aber wenigstens eine Verbesserung der Situation in Aussicht zu stellen. Selbstgerecht weist er lediglich darauf hin, dass das beschämend niedrige Universitätsbudget ohnedies erhöht würde.
Zum angeblichen Problem der zu hohen Zahl der Studierenden. Im EU-Durchschnitt studieren 4,54% der über 14-jährigen Bevölkerung, in Österreich sind es nur 3,65%. Folgerichtig liegt der Anteil der Akademikerinnen und Akademiker an den Berufstätigen in Österreich massiv unter dem EU-Durchschnitt: Während 2006 der Anteil der Akademiker an den Berufstätigen in Österreich 20,5% ausmacht, liegt dieser im europäischen Durchschnitt 28,8%. Unter den EU-15 liegt Österreich damit am beschämenden 13. Platz. Will man hier ernsthaft durch weitere Zugangsbeschränkungen zurückfallen?
Studiengebühren? Was die Finanzierung zur Qualitätsverbesserung der Universitäten betrifft, so ist dies eine politische Herausforderung; die 0,15 Milliarden €, die die Studiengebühren im Studienjahr 2007/2008 ausgemacht hatten, sind hier wohl kaum das Hauptproblem.
Natürlich hat der Missstand mit der Finanzierung zu tun: Österreich hat zu wenige Universitäten, mangelnde Infrastruktur an den bestehenden Hochschulen, zu wenig Personal, das darüber hinaus noch durch hohen bürokratischen Aufwand belastet wird. Das zahlenmäßige Verhältnis von Lehrenden und Studierenden ist schlecht, und diese Situation ist auch nicht dazu angetan, international renommierte Forscherinnen und Forscher, geschweige denn gute Studierende aus dem Ausland anzuziehen.
Zur Erinnerung: von den 3% am BIP, das der Europäische Rat für den Lissabon-Prozess schon vor Jahren für Forschung als Selbstverpflichtung bis 2010 gefordert hat, ist Österreich weit entfernt. In Schweden etwa ist der Anteil des Forschungsbudgets am Budget 7%).
In einem haben die Studierenden aber unrecht: der Protest gegen das Bachelor-System, ein Protest, bei dem sie ausgerechnet von Oliver Pink unterstützt werden. Das dreistufige System ist das Ergebnis des Bologna-Prozesses, der Studien international vergleichbar machen soll. Durch diesen werden internationale Austauschprogramme und insbesondere anrechenbare Studienaufenthalte im Ausland überhaupt erst möglich; das Pink’s Sorge hier ist, es handle sich um “eine Titelschwemme, die akademische Titel entwertet” (Die Presse, 25.10.2009) zeugt davon, dass das Ankommen im 21. Jahrhundert, jedenfalls in Österreich, noch ein wenig auf sich warten lässt.
Ronald J. Pohoryles - Liberales Forum – Austrian Liberal Forum
Sprecher für Europäische und Internationale Angelegenheiten
Speaker for European and International Affairs
Chargé des affaires européennes et internationales
www.pohoryles.at
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Teenagerzeitverlängerer 12.11.2009 21:18
Zur Information: Unterstützung haben die Audimax-Besetzer nun von Dekanen der Universität Wien erhalten. Die Politik agiere “völlig jämmerlich”, die Studenten hätten mit vielen Forderungen recht.
http://wien.orf.at/stories/402917/
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Peter 19.11.2009 19:40
Ich kann die Studenten verstehen, wenn ich auch nicht alle Forderungen teile. Die 34 Mio Euro für die Universitäten sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Um die Qualität der Lehre (z.B. Betreuung) zu heben, ist wesentlich mehr Geld notwendig. Und das muß uns als Gesellschaft die Uni auch wert sein.
Andererseits glaube ich auch, dass Studiengebühren zu rechtfertigen sind.
Helmut Schmidtlein 11.11.2009 13:21
@L.S. Entfaltung der eigenen Anlagen und Erzielen von Chancengerechkeit gehören zur Bildungsnpolitik. Hier ist von der Wissenschaftspolitik die Rede.
Es ist illusorisch zu glauben, dass es staatlich finanzierte Unis ohne Aufnahmereglement aber mit zufriedenstellenden Studienbedingungen geben könnte.
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L.S. 11.11.2009 13:43
Unternehmer 11.11.2009 13:47
@ L.S.
Für eine Gratis-Uni fehlt mir Ihre liberalé Argumentation
L.S. 11.11.2009 13:57
Unternehmer: davon war ja auch keine Rede, also kein Wunder
L.S. 11.11.2009 14:00
P.S: Ich empfehle mal den Text von Ronald zu lesen, dem ich voll zustimme.
Unternehmer 11.11.2009 14:00
@ L.S.
das heißt: auch Sie sind für Studiengebühren.
Bernhard S. 11.11.2009 14:00
Wir haben einige Probleme, sowohl in der Bildungspolitik als auch in der Wissenschaftspolitik zu lösen. Zum Teil hat auch das eine mit dem anderen zu tun. Zum einen hat Österreich eine zu geringe Forschungs- und Akademikerquote. Das Bildungssystem ist längst reformbedürftig und schon lange überholt. Die frühe Teilung der Schulbildung verschlechtert die Chancen für einen großen Teil der Bevölkerung, jemals eine Universität besuchen zu können. Ausgleichszahlungen für nicht-österreichische Studenten durch die Ursprungsstaaten sind schon lange lösbar, Österreich hat hier noch nichts unternommen. Die Ausgaben, gemessen am BIP liegt bei den meisten EU-Staaten bei etwa 2%, in Österreich bei einem Prozent. Studiengebühren lassen sich nur im Zuge einer umfassenden Reform des Bildungs- und Universitätswesens rechtfertigen. Nämlich dann, wenn ähnliche Studienbedingungen vorgefunden werden, wie in den oft zitierten internationalen Unis, wo das so gehandhabt wird. Wir sollten nicht versuchen, durch Zugangsbeschränkungen weniger Studenten auf die Unis zu kriegen, wir sollten eher versuchen, mehr Studenten eine qualitativ hochwertige Ausbildung bzw. Bildung zu ermöglichen.
L.S. 11.11.2009 14:04
Bitte lesen: “Studiengebühren? Was die Finanzierung zur Qualitätsverbesserung der Universitäten betrifft, so ist dies eine politische Herausforderung; die 0,15 Milliarden €, die die Studiengebühren im Studienjahr 2007/2008 ausgemacht hatten, sind hier wohl kaum das Hauptproblem.”
Über das Wie kann man reden, aber es lenkt eben vom Kern der Missstände ab und die liegen eindeutig bei einer Nicht-Lösung durch die Verantwortlichen. Der zuständige Minister ist ja nicht einmal mehr vor Ort.
L.S. 11.11.2009 14:05
Bravo Bernhard!
Helmut Schmidtlein 11.11.2009 15:32
Nochmals: Wir brauchen als Sofortmaßnahme:
- € 850 Mio aus dem Budget für die Unis
- € 150 Mio in Form von Studiengebühren für die Unis und
- vernünftige Aufnahmekriterien (möglicherweise nur in den Fächern, die überlaufen sind).
Wenn wir das machen, haben wir am Ende des Tages mehr Absolventen als heute.
Peter 19.11.2009 19:40
@ Helmut Schmidtlein
Ein klares JA zu Ihren Sofortmaßnahmen!
L.S. 10.11.2009 22:47
Apropos Leistungsorientierung und Eigenverantwortung:
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Ich habe in Linz Sozialwirtschaft in Mindeststudienzeit studiert, hatte im Abschluss einen Notenschnitt von 1,5 und eine Diplomarbeit mit 1, alles in eigener Verantwortung erarbeitet und das obwohl ich laufend zusätzliche Fächer belegt habe, weil sie mich interessierten. 3-monatiger Forschungsaufenthalt in den USA sowie Engagement bei Studentenorganisationen und Förderungswerk inklusive. Nebenbei habe ich als Tutor, Studienassistent und in diversen Unternehmen, hauptsächlich im Internet-Bereich gearbeitet. Das war mir möglich, weil mir eben keine Zugangsbeschränkungen (außer der Studienberechtigungsprüfung in Wirtschaftinformatik) oder Studiengebühren den Weg versperrt haben.
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Als ich dann mein Doktorat machen wollte, wurden Studiengebühren eingeführt und Beschäftigungsmöglichkeiten radikal abgebaut. Viele standen vor dem sprichwörtlichen Nichts. Wenn ich mir die Situation heute ansehe ist ein schlimm und ich verstehe die Studierenden, die deshalb dagegen protestieren. Wäre ich unter diesen Bedingungen noch Student, würde ich mich auch für Verbesserungen einsetzen. Und wenn ich dann von manchem hier derart abgekanzelt werde, würde mich das sicher nicht dazu veranlassen, etwas Positives mit der Gruppierung, für die zu sprechen behauptet wird, zu verbinden.
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Ich brauche aber gar nicht selbst Student zu sein, dass mir klar ist, dass sich die mehr als mangelhaften Bedingungen natürlich auf uns alle auswirken. Wenn Absolventen sich nur irgendwie durchquetschen, weil es nicht anders geht, was soll dabei an “Exzellenz” – ein gern gebrauchtes Wort unserer “Elite” (lol) – herauskommen? Gerade für die Begabtesten ist es ein Hohn höchsten Ranges, ihnen Unredlichkeit und “hedonistisches Frönen” vorzuwerfen. Denn es kommt eben auf die RAHMENBEDINGUNGEN an, unter denen sich die so oft zitierte “Mündigkeit”, “Eigenverantwortung” und “Leistungsbereitschaft” erst entwickeln und entfalten können. So zu tun als ob die quasi jedem schon in die Wiege gelegt wären ist nicht nur eine Verkennung der Realität sondern für die Zukunftsentwicklung unserer gesamten Gesellschaft geradezu fahrlässig.
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LG
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Ronald J Pohoryles 11.11.2009 00:43
Wie Recht Du hast… Und dabei vergisst Du noch eine wichtige Anmerkung: Studieren ist eine Vollzeitbeschäftigung. Gerade der Zwang, neben dem Studium zu arbeiten, behindert wissenschaftliches Arbeiten massiv. Damit auch die Qualität der Absolventinnen und Absolventen.
Ira Shanker 11.11.2009 08:37
Die Kombination “Studieren und Arbeiten” muß aber nicht unbedingt Zwang, sondern kann auch Freude und positive Ergänzung sein. Menschen sind sehr unterschiedlich, weisen verschiedene Lernverhalten auf und können auch mehr oder weniger gut mit parallel laufenden Interessen umgehen.
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Ich habe beispielsweise laufend während meines Studiums gearbeitet, anfangs noch eine einjährige Ausbildung in Deutschland absolviert (Wochenende) und die letzten Jahre parallel im Gemeinderat verbracht. Ein paar Jahre habe ich mich auch auf der ÖH eingebracht. Ausschließlich auf mein Studium zu konzentrieren, wäre mir wahrscheinlich schnell uninterssant geworden. Viele Aspekte meiner Berufstätigkeit haben sich auch positiv im Studium ergänzt und sind dort im zweiten Schritt theoretisch untermauert worden (z.B. Privatrecht, Handelsrecht, Fertigungswirtschaft, politische Soziologie, Politikwissenschaft, etc.). Dieses Hinschauen auf Themen aus einer zweiten Perspektive war für mich extrem interessant.
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Zugegeben – mein Studium hat länger gedauert und insbesondere meine Diplomarbeit. Na und? Wo ist das Problem? Außer dass ich schließlich auch ein paar Semester Studiengebühren gezahlt habe (was sich leider aber nicht auf eine bessere Betreuungsquote, Anrecht auf einen Seminarplatz, etc. ausgewirkt hat).
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Studiengebühren bedeuten auch nicht zwanghaft, daß jemand neben dem Studium arbeiten muß. Es gibt auch Konzepte der Kreditfinanzierung, bei denen ich mit der Rückzahlung nach dem Studium beginne.
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Zugangsbeschränkungen und -regelungen muß man definieren – im Grunde hat es sie in Form von Knock-out-Prüfungen auch in Österreich immer gegeben.
L.S. 11.11.2009 09:01
Ronald: stimmt, für viele ist das Hauptstudium eine Vollzeittätigkeit, bei den sogenannten “Studienbeiträgen” vulgo Studiengebühren gab es auch keinerlei Berücksichtigung wieviele Kurse jemand belegt. Und für all jene, die nur (noch) ein paar Veranstaltungen besuchen (können) ist das natürlich auch reichlich unpassend.
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Wer meint, dass er so pauschal und abwertend über unterschiedliche Gruppen urteilen kann, der sollte sich zuerst einmal mit deren Situation vertraut machen. Von Vorurteilen und Diffamierungen hat niemand was, außer das anscheinend ziemlich ausgeprägte Ego des Agitierenden. Ich empfehle z.B. den Bericht zur sozialen Lage der Studierenden.
Julian 22.11.2009 16:53
@ Pohoryles…
ah geh, wenn man im Sommer ein Monat arbeiten geht, hat man die Studiengebühren für mehrere Semester wieder herinnen.
Und wenn ein Student einen Tag in der Woche arbeitet, wird er auch nicht beim “wissenschaftlichen Arbeiten” (haha sehr witzig) behindert.
Werner Becher 10.11.2009 10:11
Ich persönlich bin eindeutig FÜR Zugangsregelungen und auch FÜR Studiengebühren!
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Offensichtlich sehen viele Menschen in diesem Land den Sinn eines Studiums als angenehme Verlängerung der Teenagerzeit und das Studium selbst in dieser Zeit eher als Freizeitbehinderung gesehen – über Leistungsorientierung und Eigenverantwortung will diese Gruppe von Menschen natürlich nichts einmal diskutieren. Ganz im Gegensatz zu dieser Sicht, stellt die Finanzierung der Unis für die Steuerzahler und damit alleinigen Erhalter der Unis ein Investment in die Zukunft unseres Landes dar.
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Da ein staatlich-planwirtschaftliches, bürokratisches Universitätssystem, wie jenes in Österreich, in der Praxis wohl niemals in der Lage sein kann, flexibel beliebig viele Studienplätze gratis für alle an einer Verlängerung der Teenagerzeit interessierten Europäer in beliebiger Dauer jeweils punktgenau und in Top-Qualität zur Verfügung zu stellen, sollten wir uns meiner Meinung nach nicht länger mit verträumten Theorien sondern rasch konkreten Umsetzungsmaßnahmen in der Praxis befassen, da Bildung DER wesentlichste Standortfaktor einer demographisch sehr rasch veraltenden europäischen Gesellschaft ist und wir diesen Zug bereits verpasst haben und nun ohnehin schon hinterherlaufen müssen …
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L.S. 10.11.2009 11:10
Wahrlich, eine “liberale” Meisterleistung … außer die früher schon erwähnten “Sozialschmarotzern” und jetzt eine angebliche “Teenagerzeit” und “Freizeitbehinderung”, ich glaub’s einfach nicht. Aber das passt natürlich auch sehr gut zur Ansicht, dass Unternehmen lediglich dazu da sind, Gewinne für die Anteilseigner zu erwirtschaften und dass Haider-Fans es ihm bitte gleich tun sollen. Bitte, wo bin ich da????? Wer “nichts” leistet ist nichts wert? Da kann man ja dann wirklich gleich zum “Schmied” gehen, ich jedenfalls braucht sowas echt nicht …
Werner Becher 10.11.2009 11:50
Bitte einfach mal den einen oder anderen liberalen Vordedenker nachlesen (Ludwig von Mises kann ich im konkreten Zusammenhang sehr empfehlen) – Karl Marx war übrigens keiner davon
L.S. 10.11.2009 14:40
Also wer heute noch Mises “sehr empfiehlt” (oder Rothbard) dem ist wohl das gesamte letzte Jahr ganz schön was entgangen. Aber das nur nebenbei.
Ich bin wahrlich ein Freund von Leistungs- und Einsatzbereitschaft, aber wie inhuman manche Gruppen hier abgewertet werden ist einfach nicht meins. Und was willst Du mit Marx? Nur eine weitere zynische Zuschreibung, die ich ablehne.
Hier geht’s doch schon gar nicht mehr um Anschauungs- oder Auffassungsunterschiede sondern um die Ausdrucksweise, die eine Verachtung erkennen lässt, die mir einfach zuwider ist. Wie war das noch? Sauft’s euch an und fahrt’s mit dem Auto, aber bitte heute noch, ihr geht keinem hier ab … Einfach menschenverachtend und ekelhaft!
Peter 10.11.2009 18:22
Ob manche Studierende die Uni als Freizeitbeschäftigung sehen oder nicht, ist eigentlich völlig irrelevant und hat nichts mit Zugangsbeschränkungen oder Studiengebühren zu tun. Wir müssen – und da hat Werner Becher völlig Recht – über Leistungsorientierung und Eigenverantwortung bzw. Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren völlig offen diskutieren können.
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Damit das bereits chronisch kranke Unisystem wieder gesunden kann, wird es Änderungen und Einschnitte geben müssen. Da wird die Gesellschaft ihren Teil dazu beitragen müssen, aber auch die Studierenden.
L.S. 10.11.2009 20:20
Diskutieren ja, diffamieren nein.
L.S. 10.11.2009 20:56
Und noch etwas zum “sehr empfohlenen” Mises:
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“Es kann nicht geleugnet werden, daß der Faszismus und alle ähnlichen Diktaturbestrebungen voll von den besten Absichten sind und daß ihr Eingreifen für den Augenblick die europäische Gesittung gerettet hat. Das Verdienst, das sich der Faszismus damit erworben hat, wird in der Geschichte ewig fortleben.” (Ludwig v. Mises: Liberalismus, S.45)
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Mises war ein bekennender Unterstützer Mussolinis und nicht wirklich als ein Freund der Demokratie bekannt. Und auch dass immer wieder Beziehungen zwischen dem Mises-Institut und diversen rechtsgerichteten Irrläufern bestehen, sollte bekannt sein. Ist schon ziemlich bezeichnend, wenn gerade er als “liberaler Vordenker” herausgestellt werden soll. Kommt als nächstes Herbert Spencer?
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Meine “Gegenempfehlung”: Mill, Locke, Eucken, Kant, Popper, Schumpeter – und heute z.B. Amartya Sen
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Nunja, Empathie gibt’s halt nicht zu kaufen … Aber egal, bald schon kommt eh Weihnachten und da gibt’s dann auch wieder die “Christmas Carol” zu sehen – viel Vergnügen, Mr. Scrooge.
Ronald J Pohoryles 11.11.2009 00:45
Werner, bitte lass es. Die Probleme der österreichischen Universitäten sind zu ernst.
Werner Becher 11.11.2009 08:19
@Roland: Ich lasse es sehr sogar sehr gerne, verabschiede mich aus diesem Blog und verspreche (wiewohl Atheist) hoch und heilig, nicht länger auf konkrete politische Antworten, Fakten, Maßnahmen, Positionen, Vorschläge, etc. auf meine zugegebenermaßen unangenehmen weil absichtlich, um eine Diskussion auszulösen, als Provokation formulierten Postings zu warten und werde damit das viel beschaulichere Jammer über den bösen Rest der Welt auch ganz sicher nicht weiter stören …
L.S. 11.11.2009 09:34
hahaha, “um eine Diskussion auszulösen” … das war wohl ein Scherz. Erniedrigung anderer als Mittel der “redlichen Debatte”? Nein danke. Das ist genau jene Heuchelei, die man von den Blauen kennt. Und die bezeichnen sich ja auch als “freiheitlich”. Ent-Solidarisierung als Programm beim LIF? Das ist wohl wirklich ziemlich schräg.
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Nein, die Welt ist nicht “böse”, aber die Rahmenbedingungen, von denen die Meisten betroffen sind, sind für die Entfaltung der eigenen Anlagen und dem Erzielen von Chancengerechkeit einfach denkbar “ungünstig”. Und an der Verbesserung genau dieser Rahmenbedingungen zu arbeiten denke ist der Sinn der Sache. Oder nicht?
Bastl 11.11.2009 14:02
Sparts bei den Jugendlichen! Juhu! Streichts ihnen die Bildung, die Pensionen! Kulturangebot für Jugendliche? Jugendarbeit? Wer braucht so an Müll! Die wehren sich doch eh nicht! Stopfts es lieber den Banken und Großindustriellen in Österreich in den A. Die sind wenigstens gstandene Persönlichkeiten, die was von Leistungsorientierung verstehen!!!
PS Ich bin seit kurzem 23!
Christian Allesch 10.11.2009 00:06
Warum sich viele Lehrende mit den Forderungen der Protestgruppen nicht solidarisieren, ist leicht verständlich. Wenn ein Studienbetrieb bereits ohnehin aus allen Nähten platzt, wie das in der Psychologie inzwischen österreichweit der Fall ist, ist niemand, der von dieser Misere direkt betroffen ist, bereit, der undifferenzierten Forderung nach Wegfall von Zulassungsbeschränkungen zuzustimmen. In Salzburg hat sich sogar die Studienrichtungsvertretung Psychologie klar gegen diese Forderung ausgesprochen. Die Funktionäre der politischen ÖH-Fraktionen, die in erster Linie eine Ideologie verteidigen und erst in zweiter Linie jene, deren Interessen sie eigentlich vertreten sollten, sehen das natürlich anders. Über Kapazitätserweiterungen in den Überlastfächern kann man gerne nachdenken, wenn das immer wieder versprochene Geld an den Universitäten eingetroffen ist. Solange die Betreuungsrelationen weit entfernt von internationaler Vergleichbarkeit sind, wäre es schlichtweg verantwortungslos, erst einmal das Türl weit auf zu machen und darauf zu hoffen, dass die Politik noch ein paar Millionen irgendwo locker macht.
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L.S. 10.11.2009 06:15
Dass es zu wenig Studienplätze, Lehrpersonal, adäquate Ausstattung und finanzielle Mittel gibt ist aber eben nicht das Versäumnis der Studierenden sondern des zuständigen Ministeriums bzw. der bisherigen Regierungen, insbesondere derer, die behauptet hatten, dass die Einführung von Studiengebühren nicht(!) zu einem Hindernis für Studierende geführt habe. Das genaue Gegenteil ist der Fall, wie die aktuellen Inskriptionszahlen vollkommen eindeutig belegen.
Den Betroffenen mit ihren legitimen Forderungen zu unterstellen, dass sie lediglich ideologie- und nicht problemgetrieben wären ist daher wirklich nicht angebracht, auch wenn das bei Einzelnen so sein mag. Wer nur seine eigene Situation im Aug hat, kann das vielleicht nicht nachvollziehen. Aber wer die sich auch mit der Situation anderer empathisch auseinander zu setzen versucht, sehr wohl. Denn auch wenn es z.B. mich selbst im Moment nicht betrifft, ich sehe mit welchen Bedingungen die Studierenden – und Lehrenden – belastet sind und ich weiß, dass es in unser aller Interesse ist, dass sich daran etwas ändert. Denn was dabei rauskommt wenn sich jeder nur irgendwie “durchlaviert” sieht man ja am Allerbesten auf heutiger (politischer und auch sonstiger) Entscheiderebene: es wird weitergewurschtelt. Von Qualitäts- und Kompetenzorientierung sind wir sehr weit entfernt. Hauptsache die “richtige” Mitgliedskarte … dabei ist gerade Wissenschaft – so man sie ernst nimmt – das genaue Gegenteil einer “Hauptsache ich habe meine Schäfchen im Trockenen”-Mentalität. Wenn man weiß, wieviel Geld für wie wenig Ergebnis eingesetzt wird, dann kann man das wirklich nicht den Studierenden zuschreiben. Und noch ein Letztes: ein Wissenschaftsminister, dessen eigene Doktorarbeit diesen ganzen Hintergrund der Missstände widerspiegelt, ist sicherlich nicht der Berufenste, wenn es um die Verbesserung der Qualität und Ausstattung auf den Universitäten geht. Und als “Belohnung” wird man bei uns auch noch Kommissär. Da stimmt doch wirklich einiges nicht – und zwar nicht auf Seiten der Studierenden sondern bei den Verantwortlichen. Das mal bitte nicht aus den Augen zu verlieren.
Lieber Aal 10.11.2009 10:09
hier geht es aber nicht um die schuldfrage, sondern um die nutzung der aktuell vorhandenen kapazitäten. studieren ohne zugangsbeschränkungen kann man als (unrealistisches) ziel zwar formulieren, solange die engpässe aber nicht behoben sind wäre es unverantwortlich die ohnehin bereits erschöpften kapazitäten zulasten der studierenden weiter zu strapazieren.
L.S. 10.11.2009 10:57
Verstehe ich das richtig? Wenn der Staat, also wir alle in Delegation an die zuständigen Minister nicht in der Lage ist, für die nächste Generation jene Rahmenbedingungen zu schaffen, die ihnen selbst ermöglicht wurden (und nicht etwa “vom Himmel gefallen sind”), dann sollen die Studierenden das selbst ausbaden? Und ohne auf die Solidarisierung der Bevölkerung, geschweige von “uns”, zählen zu können? Man braucht ja nicht jede Forderung zu teilen und man kann durchaus auch über Alternativen diskutieren, aber was die Zuständigkeit und damit verbundene Verantwortlichkeit betrifft, das sollte wohl schon außer Frage stehen.
Peter Weinberger 09.11.2009 01:19
Um die Diskussion wieder etwas zurückzuführen, worum es hier eigentlich geht ein paar Kommentare eines Betroffenen:
Ich bin Univ.-Ass. an der TU Wien und darüber hinaus Lektor an der FH Campus Wien, weshalb ich mir erlaube ein paar Dinge zur Diskussion zu stellen.
1) Wenn wir all die Probleme des österreichischen Bildungssystems fragmentiert diskutieren, kommen wir auf keinen grünen Zweig. Das Problem beginnt mit der unzureichenden Frühförderung von Kindern aus bildungsfernen sozialen Verhältnissen in den Kindergärten, zieht sich weiter in die Realteilung von Hirnarbeitern (Gymnasium) und Hacklern (Hauptschule) im unsinnig frühen Alter von 10 Jahren und setzt sich schliesslich in einem Gymnasialsystem fort, das nicht immer die besten LehrerInnen anzieht (Frage an LehramtsstudentInnen: weshalb Lehramtsstudium? Antwort: Juli und August).
2) Da ich mich jedoch auf die Situation auf den Universitäten konzentrieren möchte, blende ich Punkt (1) in meinen weiteren Argumenten vorerst mal aus. Ich lehre und forsche an der Fakultät für Technische Chemie der TU Wien, die sich der Zahl von etwa 150 Erstsemestrigen Studienrichtung Technische Chemie und etwa 10 AnfängerInnen “Lehramt Chemie” erfreut. Wir bekommen dank intensiver Investitions- und Bautätigkeit am Campus Getreidemarkt demnächst ein völlig neues Laborgebäude und die Ausstattung wurde in den vergangenen Jahren sowohl in den Hörerlabors als auch in den Forschungsgruppen auf neuesten Stand gebracht. Einzig das benchside tutoring im Labor stösst nun langsam an die Grenze der Betreuungskapazität, wenngleich bei uns immer noch pro 8 StudentInnen ein Assistent, Dozent oder Tutor im Labor anwesend ist. Wir haben also weder ein Platzproblem, noch ein eklatantes Betreuungsproblem.
3) Das alles gilt aber nicht generell, an der TU Wien gibt es weit größere Fakultäten (z.B. Informatik, Architektur), bei denen es nicht so rosig aussieht. Hier herrscht sehr wohl ein Betreuungsproblem, und des weiteren gibt es dringendste bauliche Sanierungsnotwendigkeiten, die vollkommen in der Luft hängen (Generalsanierung Hauptgebäude Karlsplatz, wichtige Umbauten zum Physik-Cluster am Atominstitut im Prater, Science City im Arsenal mit Großlabors für Maschinenbau, etc…). Hier fehlen locker ein paar 100 Mio €…
4) Zugangsregelungen: es wird die allgemeine These aufgestellt, dass man mit Zugangsregeln besonders überlaufene Massenstudienrichtungen “unattraktiver” machen kann um die Zahl der Studierenden gleicher auf alle möglichen Studien aufzuteilen und in den vormals überlaufenen Studien den Erfolg zu erhöhen. Ich wage zu behaupten, dass sich kein Student/keine Studentin statt für Kommunikationswissenschaften dann lieber für Technische Chemie entscheiden würde, nur weil es bei uns keine Limitierung des Studienplatzes gibt. Allerdings generell gegen eine Überprüfung der Studieneignung im Rahmen einer Studieneingangsphase im jeweils gewählten Fach zu sein, halte ich auch für unfair. So wie sich ein unsportlicher Mensch kaum mit Erfolg durch ein Sportstudium, ein unmusikalischer Mensch wohl nie durch ein Musikstudium oder ein mathematisch-naturwissenschaftlich unbegabter Mensch nie durch ein Chemiestudium quälen kann, so wird es doch möglich sein facheinschlägig die Eignung eines potenziellen Politikwissenschafters oder Kommunikationswissenschafters oder Betriebswirtes festzustellen und so eine für Lehrende wie Lernenede unbefriedigende Situation gar nicht erst aufkommen zu lassen.
5) Das ewige Argument mit der Akademiker-Quote: hier werden leider Äpfel mit Birnen verglichen! In Finnland ist jede/r KrankenpflegerIn, jede/r KleinkindpädagogIn etc…AkademikerIn. Wenn man bei uns also alle DiplomsozialarbeiterInnen, DiplompflergerInnen, KindergärtnerInnen etc…zu den Uniabsolventen dazuzählt, dann stehen wir auf gleicher Augenhöhe. Was niemand gern ausspricht: uns fehlen einerseits große Zahlen an Diplomingenieuren des Maschinenbaus, Elektrotechnik und Bauingenieurswesens, in den F&E-Abteilungen der Chemischen Industrie (inkl. Pharma) werden promovierte Chemiker und Molekularbiologen gesucht, auch Physiker und Informatiker aller Schattierungen könnten locker in großer Zahl im Arbeitsmarkt untergebracht werden…wohingegen der Arbeitsmarkt für einige Fächer der Geisteswissenschaften, aber auch für Juristen und Betriebswirte nicht mehr ganz so rosig ist. Aber mehr als darauf hinweisen, kann ja wohl nicht drin sein.
6) Zum Bachelor/Master/PhD System: das hehre Ziel eines europäischen Bildungsraumes halte ich zwar für anstrebenswert, jedoch bin ich der Meinung, dass wir hier (und da kann ich jetzt nur für die Chemie sprechen) leider vom angelsächsischen Modell überrollt wurden. Ich habe dank Austauschstudenten des Trinity College Dublin (Irland) den direkten Vergleich. Da das öffentliche Schulsystem offenbar inferiore naturwissenschaftliche und mathematische Grundlagen legt, werden die ersten beiden Jahre des Bachelor dort aufgewendet, um erst mal auf Maturaniveau eines österreichischen Gymnasiasten zu kommen! Dann haben die im dritten und letzten Bachelorjahr erst die chemischen Hauptfächer als Vorlesungen (bis Ende Bachelor steht dort kein Chemiestudent im Labor!). Somit hab ich Masterstudenten bekommen, die in Ihren praktischen Fähigkeiten mit unseren Erstsemestrigen gleichauf liegen! Den großen Sprung machen die angelsächsischen Unis dann erst im PhD Programm, wo dank großzügiger Forschungsförderung auch viel mehr Geld drin steckt als in Österreich. Somit mein Resumee: Österreich bildet hervorragende ChemikerInnen aus (in Wirklichkeit haben wir den ehemals ersten Abschnitt des Diplomstudiums zum Bacc und den zweiten zum Master gemacht), die dann aber mangels gut dotierter Möglichkeiten für PhD Stellen ins Ausland gehen. Dieser Brain-drain ist volkswirtschaftlicher Wahnsinn und wissenschaftlich eine Katastrophe. So stolz ich drauf bin, dass ehemalige Diplomanden von mir ihren PhD am Max-Planckinstitut für Eisenforschung/Düsseldort oder an der University of Queensland/Australien machten, aber umgekehrt kommt nichts vergleichbares retour (wenn, dann können wir von der ÖAD gesponserte Dissertanten aus Drittwelt-Ländern anziehen, aber dass mal ein MSc aus Oxford oder von der ETH zu uns zum PhD kommt, grenzt an ein Wunder).
Summa summarum: unsere Ausbildung ist fachlich exzellent und lässt viel Spielraum für Zusatzqualifikationen (großes Wahlfachspektrum), jedoch mangelt es an Geld für substanziell attraktive PhD Ausbildungen zur Bildung überkritischer Forschungseinheiten mit internation kompetitivem Output.
7) und zu guter Letzt: da “Vorbild” FH für effizientes Studieren. Ich unterrichte im Rahmen des FH-Studiums Bioengineering am FH Campus Wien. Es sitzen 38 Studierende Im Hörsaal, es herrscht Anwesenheitspflicht (Liste) und sofort nach Vorlesungsende ist die Klausur zu schreiben. Ich sehe keinen qualitativen Unterschied zu einer Vorlesung an der TU, ausser dass die FH-StudentInnen einen Job haben und abends daher schon sehr erschöpft den Ausführungen lauschen. Hier wird ein klar auf den Beruf herunter abgespecktes Programm vorgetragen, das man eher als Berufsausbildung denn als Horizonterweiterung im Sinne des Humboldt´schen Bildungsideals sehen kann. Ohne hier zu werten: aber FH-Studium ist mit einem Studium an einer Universität nicht vergleichbar und jeder Mensch muss selber entscheiden, ob er lieber angeleitet und vorgekaut seine Ausbildung absolvieren möchte, oder aber seine fachliche Bildung selbst erarbeiten möchte.
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Klaus Müller 01.11.2009 14:47
@ Lieber Aal.
Ich weiß ja nicht, welches Problem du mit “Lungenkrebs” hast. Aber ich frage mich, ob es notwendig ist, hier IP-Adressen zu recherchieren um dann stolz drauf zu sein, den Namen hier zu veröffentlichen? Ist das ein Beitrag zum Thema Datenschutz? Dann frage ich mich, warum du hier Zugriff auf die IP-Adressen der Beitrags-Ersteller hast und ob diese Informationen bei dir gut aufgehoben sind. Vom Ton, mit dem diese “Diskussion” geführt wird mal ganz abgesehen. Hier würde mich auch ein Statement von den Admins interessieren.
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Lieber Aal 01.11.2009 17:18
@klaus müller- hier wurden keine ip-adressen “recherchiert”. vor vielen monaten gab es ältere blogeinträge wo es sehr häufig zu “doppelnicks” kam. “lungenkrebs” war einer jener ip-adressen die mir in meiner damaligen rolle als blog-admin aufgefallen sind,da der user name wechselte. jetzt ist der name wieder aufgetaucht und ich konnte ihn sofort zuordnen. ois klar?
Datenschutz 01.11.2009 17:38
Jetzt wurde ausgefuehrt, wie jemand sein wissen als frueherer administrator hier ausnuetzt, in der tat kein ruhmesblatt fuer datenschutz.
Klaus Müller 01.11.2009 18:13
alles klar ist es damit noch nicht. bleibt immer noch die frage, warum du vertrauliche informationen, an die du durch deine ehemalige tätigkeit als admin gekommen bist hier im blog veröffentlichst und scheinbar noch stolz darauf bist. ging es dir darum zu zeigen, dass du mehr weißt als dein diskussionspartner oder ist das dann eine art “killerargument”. also ich verstehs nicht. ist auch kein guter stil in einem diskussionsforum, in dem jeder entscheiden kann, wie weit er mit seinem echten namen auftreten möchte. ist zumindest meine meinung.
Lieber Aal 01.11.2009 18:50
@”datenschutz” &km- scheinbar soll ich also in eine art selbst heraufbeschworene amnesie verfallen und so tun als ob ich nicht wusste mit wem ich es zu tun hätte..alles klar. wo waren sie als man mich “outete”? nicht dass ich ein problem damit hätte aber es ist schon lustig wenn man bedenkt dass der blog ohnehin quasi fast schon lif-intern ist;))
wenn sie das posting nochmal durchlesen erkennen sie schnell dass es primär um die on-topic nc-pro/contra diskussion ging..
Lieber Aal 01.11.2009 18:58
nachtrag: im anderen blog-eintrag “ein plädoyer für rechtsstaat” hat ira shanker den user “ls” soeben “geoutet” weil sie nicht mehr wollte dass er sich hinter seinem psyeudonym versteckt. ich warte auf ihren aufschrei!!!
)))
Klaus Müller 01.11.2009 19:15
erstens weiß ich nicht, wer wen wann und wo “geoutet” hat, zweitens macht es das auch nicht besser, weil ichs nicht ok finde und drittens macht es glaube ich schon einen unterschied, ob man jemand kennt oder über seine tätigkeit als admin an (eigentlich hoffentlich) vertrauliche daten kommt. und es verlangt keiner, dass man etwas vergisst, aber wenn da das verständnis und die sensibilität fehlen, dann bringt diese diuskussion hier eh nix. ois klar?
Lieber Aal 01.11.2009 19:31
@km- nein die diskussion bringt wirklich nix
Ronald J Pohoryles 03.11.2009 21:18
Ich bin ja durchaus einverstanden, dass wir am blog über Datenschutz diskutieren. Und jeder/jede kann einen solchen lancieren, indem er ihn unter blog@liberale.at vorschlägt. Nur was hat das bitte mit dem Thema zu tun, das ich hier angerissen habe? Bitte um etwas Disziplin, gehört zur Nettiquette…
Thomas 04.11.2009 09:58
Lieber RJP
Zugegeben es weicht vom Thema ab, aber zur Disziplin und Nettiquette gehört auch das ein ehem. Mod. nicht den User Lungenkregs mit dem vollen Namen outet.
Mein Username ist ident mit meinem Vornamen und ich hätte keine grosse Freude wenn mein Nachname in diesem Blog/Forum veröffentlicht wird.
Bleibt nur noch die Bitte an alle Mods und eheml. Mods euer Wissen vertraulich zu verwenden und nicht zu missbrauchen.
Datenschutz II 04.11.2009 11:39
Ich darf aus dem österreihcischen Datenschutzgesetz 2000 zitieren:
10. Abschnitt
Strafbestimmungen
Datenverwendung in Gewinn- oder Schädigungsabsicht
§ 51. (1) Wer in der Absicht, sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen oder einem anderen einen Nachteil zuzufügen, personenbezogene Daten, die ihm ausschließlich auf Grund seiner berufsmäßigen Beschäftigung anvertraut oder zugänglich geworden sind oder die er sich widerrechtlich verschafft hat, selbst benützt, einem anderen zugänglich macht oder veröffentlicht, obwohl der Betroffene an diesen Daten ein schutzwürdiges Geheimhaltungsinteresse hat, ist, wenn die Tat nicht nach einer anderen Bestimmung mit strengerer Strafe bedroht ist, vom Gericht mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr zu bestrafen.
(2) Der Täter ist nur mit Ermächtigung des Verletzten zu verfolgen.
L.S. 04.11.2009 18:32
Datenschutz: meine Erfahrung in Bezug auf das Zitieren von Gesetzesvorgaben = “ich sag was ich will, das ist Meinungsfreiheit” und dabei wird völlig unterschlagen, dass es eben Einschränkungen von Freiheiten gibt, da eben dazu auch die Verantwortung gehört. Nur das hört man halt nicht so gerne … Beliebigkeit wird leider oft mit Liberalität verwechselt, ebenso Toleranz mit Ignoranz.
Ich habe nicht vor jemanden deshalb rechtlich zu belangen, aber ich würde mir schon wünschen, dass wieder mal ein bisschen Vernunft einkehrt und nicht jeder einfach tut, wie ihm gefällt. Freiheit ist immer auch die Freiheit des Anderen, das vergessen scheinbar manche gern.
Lieber Aal 04.11.2009 18:35
@datenschutz 2 – nice try
gleich 2 tatbestandsmerkmale sind laut judikatur nicht erfüllt. da sie ja ein ausgewiesener rechtsexperte sind, kommen sie alleine drauf..
@thomas – kein moderator hat zugriff auf ihren namen. ersichtlich ist nur die ip-adresse.
Datenschutz 04.11.2009 21:28
ich denke schon, dass hier (mit dem erkennen der ip-adresse als ehemaliger admin.) mit dem outing ein schritt zuviel getan wurde, es wuerde gut anstehen dies zu bedauern. zumindest ich als liberaler entschuldige mich bei herrn hofmann was geschehen ist.
L.S. 04.11.2009 22:58
ja, das sollte man gerade von Liberalen erwarten können. Aber auch ich rechne ehrlich gesagt nicht damit.
Lieber Aal 05.11.2009 02:51
@datenschutz- hier wurde keine ip adresse erkannt, scheinbar haben sie den sachverhalt nicht verfolgt. und wenn sie schon dabei sind entschuldigen sie sich auch gleich bei hernn laurent straskraba. wissens was, stiftens gleich eine kerze im stephansdom.
staatsreform 05.11.2009 10:36
Posting von Lieber Aal am 01.11.2009 03:35:
@lungenkrebs aka h####### (schon mal was von ip-adresse gehört?
Lieber Aal 05.11.2009 14:15
@staatsreform – den beitrag von “01.11.2009 17:18″ lesen, viell. bringt das licht ins dunkel. nochmal: mangels zugriff auf das blog-interface, kann ich aktuell auch keine ip erkennen. bekommt ls nun seine kerze oder nicht??
Helmut Schmidtlein 30.10.2009 23:02
Ich habe mich gerade in die von RJP zur Lektüre empfohlene OECD Studie vertieft. Sie enthält einen interessanten Aspekt. Aufgrund des hohen Lohnniveaus und der langen Studiendauer ist das Studieren in Österreich mit wesentlich höheren Opportunitätskosten (indirekte Kosten bzw Verdienstentgang) verbunden. Im Ergebnis kommen zu den miserablen Studienbedingungen also noch höhere indirekte Kosten hinzu als etwa in den USA, wo es zwar direkte Kosten in Form von Studiengebühren gibt, die man aber durch rascheren Eintritt in das Berufsleben und eine bessere Ausbildung schnell zurückverdient. So paradox das klingt: Wir brauchen Studiengebühren und vernünftige Aufnahmekriterien, damit die Studenten am Ende ihrer Erwerbsbiographie mehr in der Tasche haben.
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L.S. 31.10.2009 02:09
Adäquate Jobs für Absolventen kommen aber nicht “automatisch” – und schon gar nicht sind sie von Studiengebühren abhängig. Sie entstehen wenn Menschen, Wissen, Kompetenz und Innovation wertgeschätzt werden und nicht nur “Connections” oder soziale/regionale Herkunft entscheiden. Der Blick auf den/die Einzelne/n ist das wesentliche Kriterium, doch wie die Situation zur Zeit hier ist, lässt man lieber wertvolle Ressourcen ungenützt verkümmern. Für mich ist das nicht nur dumm sondern schon gemein.
Helmut Schmidtlein 31.10.2009 14:26
In der Tat ist das gemein, daher müssen wir uns einen radikalen Paradigmenwechsel für die Wissenschaftspolitik überlegen. Aus der Stellungnahme von Herrn Kollegen RJP kann ich diesen nicht wirklich herauslesen. Nur mehr Geld aus dem Budget zu fordern ist zu wenig. Durch sofortige Begleitmaßnahmen (Bedarfsplanung, vernünftige Aufnahmekriterien, Evaluierung, mehr Geld aus dem Budget und (!) Studiengebühren ohne viel wenn und aber) ist sicherstellen, dass unsere UNI Betriebe auch effizient arbeiten (dh Wissen, Kompetenz, Innovation und vor allem auch Selbstwert für die Studierenden hervorbringen). Wer nur die Rezepte der 70er und 80er Jahre ausgraben will, kann mich nicht überzeugen. Herr RJP verdrängt, dass die österreichischen UNIs schon zu einem Zeipunkt mittelmäßig waren, als noch mehr Geld vom Wissenschaftsministerium an sie floss.
Peter 29.10.2009 18:47
Hallo Herr Pohoryles,
Ich habe gerade eben Ihren Blogeintrag zu den Studentenprotesten mit Genuss gelesen und habe hierzu eine Anekdote anzubieten:
Meine Freundin ist Slowakin, 22 und hat nach einem Jahr in den USA und einem Jahr in Österreich in der Slowakei eine mehrsprachige Maturaprüfung abgelegt um anschließend zwecks Studium wieder nach Österreich zurückzukehren.
Angefangen hat sie mit dem Studium an der WU. Die Freude über den Studienplatz währte aber nicht lange: Überfüllte Hörsäle, keine Seminarplätze, Bücher vom Vorjahr (welche anderen Studenten abgekauft wurden, da das Geld nicht für neue reichte) sind als untauglich erklärt worden und man müsse sich die neueste Ausgabe die der Professor im Sommer nochmal revidiert hatte kaufen um überhaupt eine Chance auf eine bestandene Prüfung zu haben. Auch kleinere Streitigkeiten mit dem Facility Managment standen am Program wenn man wiedermal während der Vorlesung aus dem Hörsaal vertrieben wurde weil man (ohne zu spät gekommen zu sein) nur noch einen Platz auf den Stiegen ergattern konnte und das feuerpolizeilich ja nun mal gar nicht geht… und dann noch unwirsche Professoren die Fragen nur per SMS entgegen nehmen und bei 120 eingegangen SMS einfach sagen, dass für soviel Fragen keine Zeit ist (man kann sich ja ihr Buch kaufen und das lesen…).
Um die Sache kurz zu machen: Nach einem Jahr war die Frustration so groß, dass sie das studieren in Österreich beinahe aufgegeben hätte.
Glücklicherweise gelang es mir über den Sommer sie davon zu überzeugen, dass Sie doch am Technikum Wien Wirtschafts Informatik studieren solle. Und der Erfolg gibt mir recht: Sie ist jetzt im 3. Semester und hat das erste Jahr mit einem Notenschnitt von 1.6 bestanden.
Wunderbar! Oder doch nicht ganz? Eines Tages kam die Information, dass alle Studenten mit einem Schnitt von <1.8 Stipendiumwürdig sind. Tja, wenn da nicht ein kleines Detail wäre: Nur Studenten die als in Österreich integriert gelten: Also entweder seit 5 Jahren einen festen Wohnsitz hier haben, eine österreichische Matura, etc… nur eben nicht EU Bürger die sich brav an alle Regeln halten und versuchen das beste aus einer ohnehin schon recht unlustigen Situation zu machen.
Aber was soll’s Väterchen Staat hat wieder ein paar Euros an der Bildung eingespart und alle freuen sich…. nur ich nicht, der genug Steuern bezahlt, dass man davon mindestens 5 Stipendien zahlen könnte. Und davon, dass sie sich auch noch selbst versichern muss in Österreich will ich lieber erst gar nicht reden, weil sonst öffne ich gleich eine ganz andere „can of worms“.
Mit dieser sehr direkten Erfahrung wie’s derzeit mit dem Studieren in Österreich so ist bin ich täglich aufs neue verwundert was man so alles über die Studentenproteste in den Medien zu lesen und sehen bekommt.
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Ruth Winkler 28.10.2009 16:56
@Verschulung durch Bologna:
Dass die neuen BA-Lehrpläne zu “verschult” sind und manchmal schon aufs aussieben einer erwünschten Anzahl ausgelegt sind, stimmt. Aber es wird ja bei weitem nicht jedes Detail der neuen Curricula von “Bologna” vorgegeben. Das sind zum Teil einfach hier in Österreich schlecht gemachte Lehrpläne (wobei ich den Eindruck habe, dass Faktoren wie: gewisse Felle wollten gerettet werden, und gewisse Proporze wollten berücksichtigt werden, bei der schlechten Qualität mitspielten. – Nicht dass die Leute per se so unfähig wären). Ich nehme an und hoffe, dass das bei weitem nicht in allen Fächern gleich schlimm ist, aber zum Teil wurden wirklich schlechte Curricula entwickelt, und Studierende die da jetzt mittendrin stecken, sehen – irrtümlicherweise – das als Teil der “Umstellung auf Bologna”.
In Deutschland wird gesagt man habe bei den (eigentlich sehr ambitionierten) deutschen BA-Lehrplänen, vergessen, dass das auch Geld kostet (weshalb es dort jetzt fürchterliche Probleme gibt, weil das System nicht hält, was es versprach). Vielleicht hat man in Ö gleich gemerkt, dass nicht erwünscht ist, dass das auch Geld kosten könnte, und einen Teil der Lehrpläne in vorauseilendem Gehorsam dem zu erwartenden Budget angepasst? (Auf der Orientalistik , die neuerdings versucht sich “Near Eastern Studies” zu nennen, wäre das die einzige Erklärung, die ich mir für den Lehrplan vorstellen könnte. Man scheint von vorne herein gewusst zu haben, dass nix finanzierbar ist)
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Ira Shanker 28.10.2009 21:57
@ Verschulung
Unter Verschulung verstehe ich z.B. die Anwesenheitspflicht. Ein mündiger, eigenverantwortlich handelnder Studierender – später u.U. befähigt selbständig zu forschen – muß doch selbst wissen, was für ihn besser ist. Ob er sich lieber in eine Vorlesung setzt oder die Skripten daheim lernt.
–
Weiters lese ich, daß auch die Abfolge der Lehrveranstaltungen streng vorgegeben ist. Auch das braucht ein künftiger Akademiker / Akademikerin nicht. Der muß sich selbst organisieren können und braucht während seiner Ausbildung auch die Freiheit, um das zu lernen.
Peter 29.10.2009 01:33
Vielleicht sind aber mündige und eigenveranwortlich handelnde Menschen von den Mächtigen gar nicht gewollt. Die können nämlich ganz schön anstrengend sein. Menschen, die hinterfragen – oje.
Ira Shanker 28.10.2009 13:30
Wir haben gestern bei der LIF-Sitzung in OÖ die Studentenproteste noch einmal diskutiert, wobei auch die hohe Anzahl deutscher Studierender als Problem aufgeworfen wurde.
Daher wollte ich hier folgenden Vorschlag zur Diskussion einbringen:
–
EU- Staaten sollen für ihre Studierenden zahlen: unabhängig zur Diskussion rund um die Studiengebühr soll der Staat, aus dem der Studierende kommt, einen finanziellen Beitrag leisten. Besuchen also 100 Österreicher deutsche Universitäten und 1000 Deutsche kommen nach Österreich, soll Deutschland an Österreich 900 x den Betrag x überweisen.
–
Damit können wir weiterhin voneinander profitieren und mit den Einnahmen Einrichtungen, Lehrende, etc. finanzieren. Österreich hätte trotz z.B. deutscher Studierender den Vorteil, mehr an den heimischen Universitäten investieren zu können. Die „Zwischenparker“, die wohl meist in die Heimat zurückkehren, bringen die Ausbildung mit, die der Staat als Gegenleistung zu den bezahlten Ausbildungskosten erhält (volkswirtschaftlicher Mehrwert).
–
Mit diesem Vorschlag würden wir eine Diskussion in Gang bringen, die von großen Ländern bislang ja völlig verweigert wurde. Deutschland wird sich unter diesem Gesichtspunkt auch sicherlich überlegen, ob das Geld nicht besser in eigene universitäre Einrichtungen fließen sollte.
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Ronald J Pohoryles 28.10.2009 14:17
Liebe Ira
Du hast wieder einmal vollkommen recht. Solche bi-lateralen Arrangement gibt es schon, zB zwischen Belgien und Frankreich.
RJP
Ruth Winkler 28.10.2009 16:44
Wieso “von größeren Ländern verweigert”? Es gibt solche Modelle zwischen EU-Staaten, nur die österr. Regierung ist nicht fähig, es zu fordern… (Weshalb es Deutschland auch gar noch nicht (offiziell) verweigern könnte). Allerdings darf man nicht übersehen, dass die abenteuerlichen Probleme der Unis in Österreich bei weitem nicht nur von “den Deutschen” verursacht werden. Wien hat übrigens einige Gäste aus Balkanländern unter seinen Studierenden, was ja an sich gut wäre, aber ich fragte mich schon öfter, ob den KollegInnen aus Mazedonien und Kosovo tatsächlich sooo geholfen ist, wenn man sie ausgerechnet nach Wien lässt, wo das Niveau unter den gegebenen Bedingungen so zu wünschen übrig lässt. Sollten die doch gleich Gelegenheit bekommen, eine ordentlich funktionierende Uni vorzufinden, wenn sie schon um teures Geld hierher kommen.
Aus Kreisen um die Uni Salzburg gibt es übrigens ein Konzept, die Unis in Sbg ganz bewusst für alle, die da aus der EU kommen wollen, zu öffnen aber dafür von der EU entsprechende Förderungen zu erwarten. Ist ein sehr intelligenter Ansatz, ich fürchte nur, er wird in der österreichischen Politik schon hängen bleiben, bevor er den Weg nach Bxl finden kann…. – Aber in diese Richtung sollte man arbeiten. (und nicht übersehen, dass Qualitätsprobleme an hiesigen Unis nicht nur damit zu tun haben!)
guy inkognito 29.10.2009 17:51
Bei dem Modell der Studienplatzfinanzierung durch “Herkunftsländer”, das zuletzt der Innsbrucker Rektor Töchterle aufgebracht hat, gibt es aber auch ein Problem:
.
1. Deutschland hat in einigen Fächern den Numerus Clausus. Jetzt kann man ohne viel Nachdenken unterstellen: Deutschland will keine unendliche Zahl an Medizinern, sonst gäb’s den NC in dem Fach nicht. Detto in allen anderen NC-Fächer.
.
2. Wenn Deutschland also diese Politik verfolgt – nur eine bestimmte Anzahl in einem Fach ausbilden, mehr sind auch politisch nicht gewünscht und überfordern den Arbeitsmarkt -, warum sollte Deutschland dann die Studienplätze, die im eigenen Land nicht gewünscht sind, im Ausland (Österreich) bezahlen? Selber Gedankengang gilt natürlich auch für alle anderen Länder mit Zugangsbeschränkungen.
Ronald J Pohoryles 29.10.2009 19:51
ad Guy Inkognito
Ein wenig Nachdenken empfiehlt sich aber doch: Es gibt in Deutschland durchaus nicht die Gefahr einer Medizinerschwemme. Eben darum kehren die deutschen Medizinerinnen und Mediziner nach Abschluss ihres Studiums nach Deutschland zurück. Übrigens ein Hauptargument dafür, dass die EU die Quotenregelung für Mediziner akzeptiert hat.
guy inkognito 29.10.2009 20:56
@Ronald Pohoryles: Ich hab schon geahnt, dass das Mediziner-Beispiel unglücklich gewählt ist …
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Ich hätte auch Publizisten schreiben können. Oder irgendein anderes Fach, in dem es zumindest in vielen deutschen Bundesländern (wenn nicht in allen) NC-Beschränkung gibt. Die Medizinerschwemme ist natürlich nicht wahr, aber Fakt ist ja trotzdem, dass Deutschland (bzw. die Bundesländer Deutschlands) die Politik verfolgen, dass nun mal nicht jeder alles studieren können soll.
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Und da stelle ich mir die Gespräche mit Deutschland schon interessant vor, immerhin würde das ja bedeuten, dass man Deutschland über Umwege zu einer Änderung der eigenen Uni-Politik bewegt (durch die Finanzierung von Plätzen eben in Österreich für Leute, die in D den NC nicht schaffen). Wenn die deutschen Bundesländer das wollten, warum haben sie dann nicht schon längst mehr Studienplätze im eigenen Land geschaffen?
Ronald J Pohoryles 29.10.2009 21:18
ad Guy
warum haben sie dann nicht schon längst mehr Studienplätze im eigenen Land geschaffen?
Ist doch billiger so…
Spass beiseite: Der NC ist wahrscheinlich das dümmste System, das es auf der ganzen Welt gibt; Eignungsprüfungen, von mir aus. Aber Schulnoten? Wenn zB ein Mediziner in Geschichte und Geographie sowie Mathematik schlecht ist, ist das zwar bedauerlich; aber operiert er deshalb schlechter?
Meine Fähigkeiten in Naturgeschichte und Geographie waren zwar beschränkt; Gesteinsformationen waren meine Sache nicht, was sogar zu einer Nachmatura in diesem Fach geführt hat. Bin ich deshalb ein schlechter Sozialwissenschaftler? Und wenn ich ein schlechter sein sollte – wegen mangelndem Wissen über die Familie der Kriechtiere oder der der Gesteinsformationen?
guy inkognito 30.10.2009 02:50
@RJP: Ich bin auch gegen den NC und halte ihn aus den gleichen Gründen wie Sie für ein total verfehltes Auswahlverfahren. Es war und ist auch gar nicht meine Absicht, dem NC das Wort zu reden. (Einmal abgesehen davon, dass ich gegen Vorselektion ganz allgemein bin.)
.
Aber nochmal, es hat mir noch niemand, der etwa von Deutschland die Finanzierung österreichischer Studienplätze fordert, die durch Deutsche “besetzt” werden (ganz wertfrei gemeint, ich finde gut, dass unsere Unis nicht nur von Österreichern besucht werden, das erweitert auch den Horizont), erklären können, warum Deutschland das machen sollte – ist das doch gleichbedeutend mit einer Aufweichung der eigenen politischen Linie, die ich oben schon beschrieben habe.
Lungenkrebs 30.10.2009 22:09
guy inkognito, wenn Sie den Numerus Clausus auch für ein “total verfehltes Ausleseverfahren” halten, dann lassen Sie sich doch von unserem Herrn Kollegen Pohoryles einmal erklären, wovon es praktisch und tatsächlich abhängt, ob man in Oxforf, Cambridge, an der London School of Econnomics oder an der Universität von Exeter als Student aufgenommen wird.
Ronald J Pohoryles 31.10.2009 01:15
ad Lungenkrebs
Ich erklär’s Ihnen gerne, Guy weiss es vermutlich schon: Bewerbungsschreiben bei UCAS, in Cambridge Eignungstests (haben einen eigenen). Mein Sohn ist mit seinem Bewerbungsschreiben nach seiner Matura immerhin am Imperial College untergekommen – er zieht eine Grossstadt vor…
NC ist das Unsinnigste überhaupt; wie gesagt, es gibt grossartige Mediziner, die auch nicht auswendig die Donauzuflüsse heruntersagen können; sorgt für keine brillante Geographie-Note.
Über fachspezifische Eignungstest lasse ich mit mir reden. Aber methodisch gute. Ein Eingangssemester ist natürlich noch intelligenter.
Lieber Aal 31.10.2009 01:18
@lungenkrebs alias alexander hofmann:
vielleicht sollte man sich informieren bevor man sich ziemlich schlampig dazu äussert..der nc ist ein kapazitätsbezogene begrenzung der zulassung nach völlig unterschiedlichen kriterien. die zulassung an verschiedenen uk-universitäten ist je universität gestaltet, in den seltensten fällen wird der gesamtnotendurchschnitt herangezogen, üblicherweise informiert man sich im letzten schuljahr und bekommt eine individuelle vorgabe was die noten in bestimmten fächern anbelangt die für das beabsichtigte studieum relevant sind. der weitere wesentliche unterschied ist dass je nach kapazität auch die möglichkeit von interviews gibt.
weiterer denkanstoß: nur weil cambridge und co schulnoten heranziehen (wenn auch anders als bei der erwähnten praxis des nc im deutschsprachigen raum) bedeutet noch lange nicht dass das der richtige weg ist, ein paar argumente, statt verweise a la “na wenn die es so machen..” würden nicht schaden.
bin auch der meinung das aufnahmetests viel sinnvoller sind als nach irgendwelchen schulnoten auszusieben bei denen bewerber aus völlig unterschiedlichen schulen, mit untersch. schwierigkeitsgrad aufeinandertreffen.
L.S. 31.10.2009 02:12
Ganz kurz: Studieneingangsphase nennt sich das.
Lungenkrebs 31.10.2009 13:27
Auszug aus der Homepage der Universität Oxford:
We would expect that anyone applying for graduate study at Oxford should usually have at least the equivalent of an upper second-class result with honours in a UK Bachelor’s degree. Please consult individual subject entries in the Course Guide for further information about your eligibility: http://www.ox.ac.uk/graduate/course_guide
Please ensure that you include details of all qualifications gained at degree level and above.
Lieber Aal 31.10.2009 20:17
@lungenkrebs aka hofmann- nochmal lesen, nochmal posten. danke.
Lungenkrebs 31.10.2009 20:52
@Lieber Aal
Auszug aus Wikpedia:
Second-class honours, Upper division
The bulk of university graduates fall into Second-class honours, which is usually divided into Upper and Lower divisions. The first of these is commonly abbreviated to 2:1 (pronounced two-one).
Many competitive jobs in the UK now have a minimum requirement of a 2:1 for graduate entry.
Many reputable universities have a university-wide minimum requirement of a 2:1 for entry into their postgraduate degrees.
About 45% of all graduates achieve a 2:1.
Ich weiß gar nicht, wieso Sie mich immer Alexander Hofmann zuordnen. Das ist doch der Polterer aus Wien, der – ganz so wie Sie Lieber Aal -auch glaubt, dass er die reine liberale Lehre mit dem Silberlöffel gegessen hat. Schrecklicher Typ. NImmt sich immer so wichtig.
Lieber Aal 01.11.2009 03:35
@lungenkrebs aka hofmann (schon mal was von ip-adresse gehört?
schon lustig wenn man so ein theater aufführt um von sich abzulenken!
“Many competitive jobs in the UK now have a minimum requirement of a 2:1 for graduate entry.”
= “many” but not all have that requirement. desweiteren bestimmen die universitäten einzeln wo sie hier ansetzen und was sie heranziehen, auf die möglichkeit von davon losgelösten interviews hab ich bereits hingewiesen, nc ist übrigens nicht mit dem notendurchschnitt gleichzusetzen, das sind zwei unterschiedl. begriffe.
und nochmal: statt auf andere unis zu verweisen wäre es vielleicht sinnvoll zu argumentieren warum ein nc sinnvoll wäre und den aufnahmestests vorzuziehen ist.
Linzer 28.10.2009 12:36
Forderungen der Studierenden laut Standard.at
–
BILDUNG STATT AUSBILDUNG: Gefordert wird eine grundlegende Überarbeitung des Bachelor/Master-Systems, kritisiert wird die Verschulung des Studiums und Reduzierung der Hochschulbildung auf wirtschaftlich verwertbares Wissen. Bestehende Diplomstudien sollen aufrechterhalten werden, Master- und Doktoratsstudien frei zugänglich und Wahlfächer frei wählbar sein. Gefordert wird weiters ein Ende der Studieneingangsphase und der Verpflichtung, Lehrveranstaltungen in bestimmter Reihenfolge zu absolvieren.
–
FREIER HOCHSCHULZUGANG: Abschaffung der Studiengebühren auch für Nicht-EU-Bürger und Langzeitstudenten und freier Hochschulzugang ohne Zugangsbeschränkungen für alle. Um qualitativ hochwertige Lehre zu gewährleisten, sollen die Studienplätze ausgebaut werden.
–
DEMOKRATISIERUNG DER UNIS: Gefordert wird die Gleichberechtigung von Professoren, Studierenden, wissenschaftlichem und nicht wissenschaftlichem Personal. Auf allen Ebenen sollen demokratische Entscheidungsstrukturen eingeführt werden. U.a. wird die Abschaffung des zum Teil von der Regierung beschickten Uni-Rates und die Wiedereinführung der Direktwahlen der Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) verlangt.
–
AUSFINANZIERUNG DER UNIVERSITÄTEN: Die Studenten wollen Transparenz bei der Finanzierung von Forschung und Lehre und über die Verwendung der Mittel mitbestimmen. Alle finanziellen Zugangsbarrieren im Bildungsbereich sollen abgeschafft, die Freifahrt für Studenten wieder eingeführt werden.
–
Um ein BARRIEREFREIES STUDIEREN zu ermöglichen, muss an allen österreichischen Unis das Behindertengleichstellungsgesetz umgesetzt werden. Außerdem verlangen die Besetzer die BEENDIGUNG DER PREKÄREN DIENSTVERHÄLTNISSE an den Universitäten und die Einführung einer FRAUENQUOTE VON 50 PROZENT in allen Bereichen des Uni-Personals.
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Ronald J Pohoryles 27.10.2009 17:23
Nur kurz zur Debatte:
1. Liberale drücken sich NICHT um klare Antworten.
2. Das Bachelor-Master-System ist teil des Bologna-Prozesses, muss aber, wie in den UK, flexibler gehandhabt werden: Es ist dort durchaus möglich, direkt ein Master-Studium zu inskribieren bzw. bei entsprechender Leistung vom Bachelor direkt ins Ph.D. Studium überzuwechseln.
3. Liberale sind der Auffassung: Zahlung nach Leistung. Die gegenwärtigen Zustände erlauben kaum die Forderung nach Studiengebühren.
4. Die ‘österreichische Lösung’ ist ein Hohn. Die niedrigen Studiengebühren tragen kaum zur Finanzierung bei (keine 5%). Wenn schon Studiengebühren, dann ernsthafte, dann aber auf Basis von niedrig verzinsten Loans, die erst bei entsprechender Beschäftigung rückzahlbar werden (funktioniert in den UK mit knapp 2 Prozent Ausfall).
5. Dies deshalb, weil das Prinzi Zahlung nach Leistung funktioniert. Die Universitäten gehen dort davon aus, dass Fehler in der Ausbildung sind, wenn Absolventinnen und Absolventen nach Abschluss ihrer Studien keinen adäquaten Job finden.
6. Der Ausbau der Universitäten muss Vorrang haben, die Förderung von Privat-Unis ist wichtig. Kurzfristig hilft nur muddling through – Ausweitung der universitären Veranstaltungen außerhalb der Unis (muss forciert werden, Ansätze gibt es ja bekanntlich schon), mehr Lehrende (kostet Geld, ich weiss, muss aber durch Erhöhung des Wissenschaftsbudgets leistbar sein. Und, ganz wichtig, Förderung von Auslandsstudien nicht erst im letzten Studienabschnitt. Dafür muss Werbung und Geld zur Verfügung stehen, nicht erst im letzten Studienabschnitt, sondern von Anfang an.
7. Zugangsbeschränkungen verlängern nur die Misere; ohne Leidensdruck reagiert die Politik sicher nicht; und wir haben zwar Tourismus, aber zuwenig Akademikerinnen und Akademiker; und ZU WENIGE, keineswegs ZU VIELE Studierende; ein Blick auf OECD-Studie (’Education at a Glance’, jährlich) hilft weiter.
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Helmut Schmidtlein 27.10.2009 18:55
Ist ihr Statement zu Punkt 7. nicht ein bisschen zynisch? “Wir müssen das Leiden und die Misere am Köcheln halten, damit es am Ende den für die revolutionäre Umwälzung notwendigen Kracher macht.”
Was ist denn so schlimm daran, wenn sich Universitäten die Bewerber aussuchen können, die sie für befähigt halten? Mehr Studierende heißt ja nicht notwendiger Weise auch mehr erfolgreiche Absolventen, oder doch?
Ronald J Pohoryles 27.10.2009 19:37
Offensichtlich mißverständlich formuliert, sorry. Mit Leidensdruck habe ich Druck auf die Politikerinnen und Politiker durch gemeinsames Handeln von Studierenden und Lehrenden gemeint. Aussuchen ok, aber wenn es grundsätzlich ein genügend großes Angebot gibt (siehe UK). Ordentliche Betreuung vorausgesetzt heisst mehr Studierende auch mehr Absolventen. Korrelation gibt’s (siehe OECD: Education at a Glance).
War sicher NICHT zynisch gemeint!
Helmut Schmidtlein 27.10.2009 20:13
Unser Universitätssystem ist im Verhältnis zu den Ergebnissen, die es zeitigt, viel zu teuer. Von Value for Money ist da keine Spur; so wie das immer der Fall ist, wenn der Staat zahlt und der Bürger vermeint, dass es nichts kosten würde; dasselbe gilt ja auch für das Gesundheitswesen.
Tatsächlich ist es genau umgekehrt als Sie sagen. Würde man weiteres gutes Steuergeld dem schlecht verwalteten nachwerfen, würde sich nichts ändern. Dann hätten wir vielleicht ein paar weniger unzufriedene aber nicht notwendiger Weise bessere Studenten. Und von der Politik wäre dann schon gar nichts mehr zu erwarten.
Im UK gibt es keinen Nachfrageüberhang, weil man dort zuerst dem Admission Office einen Brief schreiben und auf die Aufnahmeentscheidung warten muss, wenn man studieren will. Trennt man die Spreu vom Weizen gleich am Beginn, funktioniert der Studienbetrieb.
Für die Chancengleichheit muss man unten sorgen. Im Kindergarten und an den Pflichtschulen. Die Organisation von Universitäten hat mit dem Grundsatz des freien Zuganges zu gleichen Bildungschancen, der für jeden Liberalen außer Streit steht, nichts mehr zu tun. Da sind wir vermutlich einer Meinung.
Ronald J Pohoryles 27.10.2009 23:48
Lieber Kollege Schmidtlein
Von den UK kann ich einiges berichten, weil mein Sohn am Imperial College London studiert. Es ist völlig richtig, dass man eine Bewerbung senden muss, allerdings nicht an das Admission Office, sondern an das zentrale UCAS-System. Dort kann man insgesamt 6 Universitäten wählen. Empfohlen wird, dass man 2 erstklassige, 2 mittelmäßige und 2 schwächere Universitäten auswählt. Von diesen erhält man dann ein Angebot (oder eben nicht).
Überhang gibt es nur deshalb nicht, weil es deutlich mehr Studienplätze per capita gibt als in Österreich; deshalb auch mehr Studierende.
Der Staat zahlt auch mehr als in Österreich; die Ideologie, die Sie hier vertreten, stimmt zwar in manchen Bereichen, aber eben nicht überall.
Ich würde Ihnen empfehlen, sich die OECD-Studie ‘Education at a glance’ zur Brust zu nehmen.
Herzlichst, RJP
Ronald J Pohoryles 29.10.2009 21:26
Also berühmt ist der Vergleich wirklich nicht; es liesse sich sonst argumentieren, dass auch Woirtshäuser Ausgleich schaffen – etwa mit Schanigärten; aber lassen wir das.
Ich erinnere an den längst zu Unrecht vergessenen Bildungsminister Piffl-Percevic. Als in den 1960er Jahren aufgefallen ist, dass es zu wenig Gymnasialplätze gibt, fuhr er durch ganz Österreich (übrigens mit einem Puch 500, Dienstwagen hatte er abglehnt) und fand durchaus in mehreren Städten Provisorien, die sich für den Unterricht eigneten. Gibt’s in Wien etc. auch! Provisorien eben. Zugegeben, bei Laboratorien ist die Situation anders – aber zB. Publizisten benötigen keine Laboratorien, nur Lehrkräfte und Räumlichkeiten.
Ich erfahre gerade, dass plötzlich 30 M€ für die Universitäten bis Jahresende gefunden wurden; interessant: Nach massiven Studentenprotesten, davor waren die 30 M€ wohl unter den Akten versteckt…
Helmut Schmidtlein 27.10.2009 14:48
Ohne Finanzierungsbeiträge der Studierenden (die auch über Stipendien oder später rückzuführende Student Loans erfolgen können) und ohne Möglichkeit der Universitäten, die Anzahl der Studierenden auf die verfügbaren Plätze abzustimmen, werden sich die Studienbedingungen wohl nicht nachhaltig verbessern lassen. Politiker sollten auch einmal Klartext reden; liberale Politiker erst recht.
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Ira Shanker 27.10.2009 15:17
Nur können und sollen Studiengebühren den Universitätsbetrieb nicht aufrechterhalten. Ich persönlich war auch vor 10 Jahren bereits für Studiengebühren – diskutiert hatten wir damals einen später rückführbaren Kredit. Wir dachten damals: wer für seine Ausbildung zahlt, der soll auch beste Studienbedingungen vorfinden und diese auch einfordern können. Und dieses einfordern durch mündige und kritische Studierende wäre durch die Studiengebühren auch gerechtfertigt gewesen.
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Allerdings scheinen sich die Studienbedingungen über die letzten 10 Jahre weiter verschlechtert zu haben. Die Verschulung stellt für mich sogar die eigentliche Aufgabe der Universität in Frage.
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Die Universität ist auch Ort von Forschung und damit befinden wir uns im internationalen Wettbewerb. Forschung ist eine Kernaufgabe des Staates (Drittmittelfinanzierung sicher gefragt, aber Grundlagenforschung hat unabhängig zu bleiben und wird nur in den seltensten Fällen finanziert werden können).
Helmut Schmidtlein 27.10.2009 16:02
Unsere Studenten streiken nicht, weil wir zu wenig Grundlagenforschung betreiben. Sie streiken deshalb, weil die Hörsäle überfüllt sind und für Lehrveranstaltungen, die ihre Studienordnung vorschreibt, kein Platz zu bekommen ist.
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Die Notwendigkeit der einzig wirksamen strukturellen Reformen lässt sich nicht deshalb glaubhaft herunterspielen, weil solche Maßnahmen erst mit einer Zeitverzögerung greifen.
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Von der Politik sind klare und keine diplomatischen Antworten gefordert. Wenn sich auch die Liberalen hier diplomatish aus der Affäre ziehen wollen, werden sie immer wieder dasselbe zu hören bekommen: Wir wissen nicht, wofür ihr eigentlich steht.
Ira Shanker 27.10.2009 20:41
@ Helmut Schmidtlein
Ich bin für Studiengebühren – allerdings würde ich das nicht als wirksame strukturelle Reform bezeichnen. Das wird als alleinige Maßnahme die Probleme nicht lösen und kann nicht zur Finanzierung der Uni, sondern nur als Zusatzfinanzierung für die Lehre herangezogen werden. Allerdings müssen Unis dann auch ein Top-Angebot bieten – sowohl fachlich, betreuungsmäßig, räumlich, etc..
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Überfüllte Hörsäle sind nicht mit Studiengebühren zu beantworten, sondern mit mehr Räumlichkeiten, mehr Lehrenden und auch einem Auslese-Kriterium: letzteres könnte ein Bewerbungsschreiben sein (halte ich wenig davon), auch eine Aufnahmeprüfung oder eben die bislang auch üblichen Knock-Out-Prüfungen.
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Wir brauchen nicht nur top-qualifizierte, sondern auch eine international vergleichbare Zahl an Akadamikern und -innen, weil es unserer Gesellschaft gut geht, wenn unsere Wirtschaft innovativ ist und in F&E investiert.
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Damit Sie nicht noch einmal meinen, ich positioniere mich nicht: Ja, ich bin für Studiengebühren.
Helmut Schmidtlein 27.10.2009 21:44
Frau Shanker, Ihre Position verschreckt beide Seiten, sodass Sie am Ende zwischen den Stühlen zu sitzen kommen werden.
Die erklärten Gegener der Studiengebühren werden darauf verweisen, dass Sie diesen nicht abschwören wollen; die Befürworter werden das halbherzige “Ja, aber nur wenn die Bedingungen passen” als verklausuliertes Nein hinstellen.
Sie denken, das sei geschickt, um sich des Wohlwollens beider Wählerkreise zu versichern. Ich sage Ihnen, dass man so weder den einen noch den anderen von sich überzeugt.
Ronald J Pohoryles 27.10.2009 23:52
ad Schmidtlein und Ira
Ira hat recht, wenn sie auch die Studiengebührenfrage etwas vereinfacht beantwortet.
Schmidtlein argumentiert recht widersprüchlich. Zur armen Ira meint er
a) Ihre Position verschreckt beide Seiten, sodass Sie am Ende zwischen den Stühlen zu sitzen kommen werden.
und
b) Sie denken, das sei geschickt, um sich des Wohlwollens beider Wählerkreise zu versichern.
Will Ira also populistisch viele Wählerinnen und Wähler ansprechen, oder diese verschrecken?
Ira Shanker 28.10.2009 22:03
@ Helmut Schmidtlein
Ich habe das Privileg meine Meinung unabhängig vom Wählerwillen zu machen. Als Liberale kenne ich auch keine Umfragen, etc. Sie waren mir auch immer egal.
Aber zu
a) vielleicht gibt es nicht nur zwei Seiten, sondern auch eine dritte die meint, daß hier ein Gesamtkonzept fehlt – ein Maßnahmenplan, der das System Uni als Ort der Wissenschaft wieder attraktiv für alle macht.
b) Populismus liegt mir fern. Ich akzeptiere seit langem, einer österreichischen Minderheit namens “Liberal Denkender” anzugehören, die es die letzten Jahre nicht geschafft hat, mehr als 4% der Menschen von Freiheit, Eigenverantwortung, Leistung, Weltoffenheit, etc. zu überzeugen (SNIEF!!)
c) aber in einem haben Sie Recht: klare Positionen wären sicher leichter zu vermarkten – gerade aus unserer Perspektive. Nur die Welt ist eben nicht so einfach, als das die Lösung immer schwarz oder weiß ist.
Liberal ist nicht "egal" 29.10.2009 10:55
Diese Position ist in einem Wort: beliebig.
Das Vorbeten von irgendwelchen Begriffen, die sich “nett” anhören, aber vollkommen nichtssagend sind. Wer bitte soll sowas wählen? Danke, nein.
Ira Shanker 29.10.2009 13:29
@ Liberal ist nicht “egal”:
1. Am Zug sind jetzt einmal die Parlamentsparteien, die nicht fähig sind, mittels Gesamtkonzept ein völlig krankes System zu reparieren.
2. Für mich sind das Begriffe, für die es lohnt, zu kämpfen und die eine liberale Partei eint.
Enttäuschter Grünwähler 29.10.2009 13:56
@ Ira Shanker
Sie schreiben: Für mich sind das Begriffe, für die es lohnt, zu kämpfen und die eine liberale Partei eint.
Da haben Sie recht!! Es lohnt sich für die liberalen Werte zu kämpfen, gerade, weil sich bei uns keiner mehr damit auseinandersetzt. Wir nehmen jegliche Freiheitseinschränkung und Bevormundung hin, als ob es das normalste der Welt wäre.
Helmut Schmidtlein 29.10.2009 16:08
Frau Shanker, wer im politischen Wettbererb antreten will, muss klipp und klar sagen, wo es langgeht. Wenn ich den Großglockner besteigen will, suche ich mir keinen Bergführer aus, der seinen Kopf hilflos hin und her dreht.
Also, was wir brauchen ist doch klar: A) Mehr Geld aus dem Budget für die UNIS, B) Studiengebühren, die einen ordentlichen Finanzierungsbeitrag leisten, UND C) vernünftige und sachliche Aufnahmekriterien; und zwar alles das gleichzeitig und sofort.
B) und C) sind sicher nicht zweitrangig oder nur ein Nebenthema. Der österreichische UNI Betrieb war ja bereits in den 70er und 80er Jahren nicht besonders gut.
Das wäre das LIberale Programm. Und wer den Mut aufbrächte, das auch den Damen und Herren im Audi Max zu sagen, würde sich sicher nicht dem Vorwurf aussetzen, in Populist zu sein.
Ira Shanker 29.10.2009 16:54
@ Helmut Schmidtlein
A), B) und C) kann ich genauso unterschreiben.
Lieber Aal 29.10.2009 17:42
@ira- r.pohoryles spricht sich aber glasklar gegen zugangsbeschränkungen aus und bezeichnnet diese als bequemsten weg. was ist nun die offiz. lif position dazu (sofern es überhaupt eine gibt)?
Hannes Heissl 29.10.2009 18:16
‘Lieber Aal’ hat natürlich recht, daß wir hier wohl keine offizielle Meinung (mehr) haben. Die Positionen aus dem Wahlkampf 2008 sind nicht mehr sichtbar. Das trifft für viele Themen zu. Da die Partei einige Jahre vor 2008 de facto ‘geringfügig’ existiert hat, muss jetzt die Grundlage für das tägliche politische Geschäft neu erarbeitet werden, natürlich nicht im Blog.
Ronald J Pohoryles 29.10.2009 19:41
ad Lieber Aal; und ad Schmidtlein
In der Tat vertete ich die Auffassung, dass Zugangsbeschränkungen das grundsätzliche Problem der seit Jahrzehnten fehlenden Universitätspolitik nicht löst. Dieses Problem ist: zu wenig Studienplätze, NICHT zuviel Studierende. Ein Blick auf die von mir mehrfach zitierte OECD-Studie lohnt sich. Wenn wir mit Zugangsbeschränkungen operieren, hat die Politik kein Problem mehr, und Österreich bleiben Mozartkugeln und Tourismus; allerfalls Auslandstudien und Forschungsplätze im Ausland. Es ist eine Abwärtsspirale, die sichimmer schneller dreht.
Ich stimme mit Schmidtlein hingegen in A) und B) überein. In B) allerdings unter genauen Voraussetzungen: Vernünftige Stipendien und ein faires und günstiges Studienkreditangebot, rückzahlbar, wenn nach dem Studium ausreichend verdient wird. Wasletzteres heisst, läßt sich diskutieren. Und, ebenso wichtig: eine vernünftige Ausbildung mit vernünftigen Studienbedingungen. Ohne Leistung keine Bezahlung, alter liberaler Grundsatz.
Ad C): Lasse mit mir darüber reden, aber nur dann, wenn ein klares hochschulpolitisches Gesetz vorliegt, das den Ausbau der Universitäten über mindestens ein Jahrzehnt sicherstellt. Solange das nicht garantiert ist, bin ich strikt dagegen. Es müssen sich Auswege finden lassen, mehr Lehrpersonal an die Unis zu bekommen und, wo nötig, Räumlichkeiten extern anzumieten. Ein erster Schritt wäre übrigens, jene unsinnige Regelung abzuschaffen, dass öffentliche Unis für Raummieten im eigenen Gebäude die Kosten aus ihrem für Lehre und Forschung gewidmenten Budget tragen müssen.
Helmut Schmidtlein 29.10.2009 19:56
Lieber Aal, Frau Shanker hat eingeräumt, dass A (mehr Geld aus dem Budget), B (Studiengebühren) und C (sinnvolle Aufnahmekriterien – man kann es ja auch positiv formulieren) als gleichzeitig zu implementierende Maßnahmen die liberale Antwort sind. Mit Frau Shanker weiß ich mich also schon einer Meinung und vermutlich auch mit Ihnen; und wenn Herr Pohoryles das britische System, in dem es auch ein Aufnahmeprozedere gibt, als Vorbild hinstellt, so ist er nicht so weit weg von uns.
Ronald J Pohoryles 29.10.2009 20:38
Lieber Herr Schmidtlein
ich glaube auch, dass es vor allem um Timing geht; hinsichtlich des erwünschten Endzustand sind wir vollkommen d’accord; wäre ja auch erstaunlich, wenn nicht. im Weg dorthin nicht ganz.
LG, RJP
Helmut Schmidtlein 29.10.2009 20:47
Herr RJP, 100 Leute können sie nicht in einem Wirtshaus verköstigen, das eben nur die Kapazität für 50 Schnitzeln hat; auch nicht in der Übergangszeit bis ein zweites Wirtshaus gebaut ist.
Hannes Heissl 27.10.2009 12:13
Das Ziel des Bologna-Prozesses, Vergleichbarkeit und somit Internationalisierung zu fördern, ist sicherlich ein gut gemeinter und postiver Aspekt.
Was mir persönlich auffällt und weniger gefällt, ist die damit verbundene zunehmende Verschulung an den Universitäten. Man bekommt den Eindruck, daß – ähnlich den Fachhochschulen – ein bestimmter Output an Absolventen/innen vorprogrammiert wird. Dabei sollte gerade an den Universitäten das freie Studium die Neugier wecken und die Reflexion der Studierenden fördern. Das ist die Grundlage für Innovation und kritische Geister, beides benötigt unsere Gesellschaft dringend.
Die derzeitigen Studienbedingungen – wie von Ronald Pohoryles dargestellt – sind dafür jedenfalls auch keine guten Voraussetzungen. Der Staat, die Wirtschaft, die Gesellschaft müssen jedes Interesse an sich bildenden Menschen haben, egal ob sie jetzt schnelle, langsame oder gar keine Abschlüße machen. Das ist eine Investition in unsere Zukunft.
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Bastl 27.10.2009 16:21
Diese Verschulung birgt ein weiteres Problem: vor der Umstellung auf das Bachelor Master-System war es noch leichter möglich, neben dem Studieren zu Arbeiten. Jetzt gehts kaum mehr.
Ira Shanker 29.10.2009 13:47
Die Verschulung kostet auch Geld. Wenn nur 10% der Studierenden nicht zu Vorlesungen gehen, führt das zu einer räumlichen und finanziellen Entlastung.
Ronald J Pohoryles 29.10.2009 19:47
ad Hannes
Eine Trennung von wissenschaftlichen Studien und Berufsausbildung wäre durchaus sinnvoll. In den UK kann man beispielsweise, jedenfalls an mehreren Universitäten, von Anfang an zwischen Master- und Bachelorstudium wählen. Ein Wechsel zwischen den beiden Orientierungen ist nach dem 2. Studienjahr problemlos möglich. Auch kann, bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen, unmittelbar nach dem Bachelor direkt ein Ph.D. Studium anschliessen. Bologna als solches ist an der mangelnden Flexibilität bestimmter Länder nicht schuld, ebensowenig, wie Ruth schon bemerkt hat, an schlechten Curricula.
ad Bastl
Ausreichende Studienfinanzierung soll genau das verhindern: Den Zwang zur Arbeit neben dem Studium.
ad Ira
Du hast bezüglich der Auffassung, dass Studierende ihre Lernmethoden selbst wählen können, natürlich Recht; aber es gibt Fächer, wo Laboratorien oder praktische Ausbildungsplätze einfach dazu gehören. Es darf auch nicht an räumlichen Verfügbarkeit oder am Mangel an Lehrpersonal liegen, dass Studierende zu Hause bleiben (müssen).
L.S. 31.10.2009 02:14
Richtig: “Bologna als solches ist an der mangelnden Flexibilität bestimmter Länder nicht schuld, ebensowenig, wie Ruth schon bemerkt hat, an schlechten Curricula.”
Es sind unsere eigenen Versäumnisse, die den Menschen das Leben schwer machen. Der Reformstau ist bereits unerträglich.
Bastl 22.11.2009 14:52
Lieber Ronny,
liberale Politik soll meiner Meinung den Menschen Wahlmöglichkeiten anbieten. Es gibt Menschen, die neben dem Studium arbeiten möchten. (Praxisbezug…?!) Ich finde auch diesen Menschen soll diese Möglichkeit angeboten werden!
Ruth Winkler 27.10.2009 02:02
Soweit ich mitbekommen hab, solidarisieren sich etliche Lehrende sehr wohl (vermutlich ist das in verschiedenen Fächern verschieden).
Da ich dieses Semester (letzte Gelegenheit solange ich für die Diss inskribiert bin) zu mehreren Kursen zu nützen versuchte, sah ich Anfang Oktober live, dass die Zustände an allen Ecken so sind, dass das jeden Moment explodieren musste. (Hatte übrigens reichlich schlechtes Gewissen, womöglich jenen KollegInnen, die die LV verpflichtend brauchen, einen Platz streitig zu machen, indem ich “freiwillig” was dazu lernen will. So weit haben wirs gebracht!)
Wie soll man jungen Leuten, die im Hörsaal einfach nicht mehr bei der Tür reinkommen können, übel nehmen, dass sie ihren Frust lieber im Audi Max hinausrufen!
Was mir in der Debatte fehlt, ist die Erkenntnis, dass die Qualität der hiesigen Unis in früheren Jahren auch nicht so gut war. Stimme daher auch ganz zu, dass die Wut auf das Bologna-System in die völlig falsche Richtung schlägt! Allerdings muss man verstehen, dass etliche der neuen Studienpläne (und erst die schrecklich zusammengesetzten “Erweiterungscurricula”!) so miserabel gebaut sind, dass diejenigen, die in der Umstellungsphase stecken, meinen, da die Ursache des Übels erkannt zu haben.
Tatsächlich scheinen bei vielen der neuen Studienpläne gut-österreichische bürokratische Erwägungen mehr im Spiel gewesen zu sein, als Lehre nach internationalen Standards. Das lasten die StudentInnen nun fälschlicherweise “Bologna” an. Als vor zwei Jahren der neue Studienplan Orientalistik rauskam, war ich schockiert (von allem ein bisserl was und nichts wirklich) – Antwort eines Professors auf mein Entsetzen: “So will es der Rektor”. (”Der Rektor” ist natürlich in so einem Fall auch einfach Teil des politischen Systems, der will was er wollen darf!)
Ich fürchte allerdings, dass die Proteste kurzfristig gar nix nützen werden. Da die Uni Wien sich in absehbarer Zeit gar nicht erholen kann, wäre am schönsten, es würden sich in Ö viele Privatuniversitäten gründen, die den Uni-Markt bereichern und es gäbe ein Unterstützungssystem für Bedürftige, dass sie sich solche Studien auch leisten könnten. (Und dann bin ich aufgewacht, ich weiß…)
Ich bin skeptisch, sehr skeptisch.
P.S.: Hab (ein paar Tage vor der Audi-Max-Besetzung) meine Sicht der hiesigen Unis ausführlich auf meinem Blog ausgebreitet: http://blog.ruthwinkler.at/2009/10/21/erwachen-fur-osterreichische-unis/
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