Paul Griesebner
Ihr Lieben,
in der Nacht auf Mittwoch hat sich Paul aus dieser Welt verabschiedet.
In einem Brief, den er hinterlassen hat, schreibt er: „Macht mit Freunden und Menschen, die mich mochten, ein Freudenfest! Denn mir geht es jetzt sicher gut!“
Ich werde wohl noch etwas Zeit brauchen, um zu realisieren, dass mein lieber, kluger, kranker, bester Freund jetzt wirklich unwiderruflich gegangen ist. Aber trotz großer Trauer: Mein Gefühl ist, er hat für sich wohl die richtige Entscheidung getroffen. Das geht für mich auch aus seinem schönen, sehr klar formulierten Brief hervor.
Sobald ich näheres über die Verabschiedung weiß, gebe ich euch Bescheid.
Ich werde Paul sehr vermissen.
Euch alles Liebe - Birgit Kleinlercher
PS: Einige von euch werden es schon gewusst haben, andere haben ihn vielleicht gar nicht so gut gekannt; Jedenfalls aber würde ich euch bitten, die Nachricht an liebe FreundInnen und Bekannte von Paul weiterzuleiten. Danke.
Hier ein Zitat, das Maria-Luise entdeckt hat:
Der Tod:
Befreier für den, den Freiheit nicht erlöst,
Arzt für den, dem Medizin nicht hilft,
und Tröster für den, dessen Wunden durch Zeit nicht heilen.
Zu eurer Info hier ein Artikel, den Thomas Trenkler eben in seinem Blog auf standard.at veröffentlicht hat.
Nachruf auf einen Freund Paul Griesebner 1966-2009
Vor ein paar Tagen, in der Nacht auf den 23. September, nahm sich Paul Griesebner das Leben. Er hatte keinen Ausweg mehr gesehen.
Seine Heimat, nicht nur im politischen Sinn, war das Liberale Forum gewesen: Dort arbeitete der Journalist, der Theaterwissenschaften und Publizistik studiert und für den ORF-Rundfunk Beiträge gestaltet hatte, mit Menschen zusammen, die schon bald seine engsten Freunde wurden. Beim Liberalen Forum war Paul, Kulturreferent von Heide Schmidt, einfach gut aufgehoben. Mit dessen Ende brach für den Vorarlberger (auch wenn er 1966 in Radstadt geboren wurde) nicht nur eine Welt zusammen: Paul war plötzlich ein Vertriebener.
Sich eine neue Heimat zu schaffen, war ihm nicht gegönnt: 1999 ging Paul nach London, er war Setscout für die Patrick Kinmonth Studios, 2001 kam er zurück nach Wien, er wurde Pressesprecher von Volksoperndirektor Dominique Mentha. Und wieder gab es ein jähes Ende: Paul hatte 2002 als Bauernopfer zu dienen, um Menthas Überleben zu ermöglichen. Immer wieder tauchte Paul für Monate ab, immer wieder rappelte er sich auf, immer wieder versuchte er, einen neuen Weg einzuschlagen. Doch die beinharte Wirklichkeit ließ eine Umsetzung seiner Ideen nicht zu. Immer schneller, immer tiefer stürzte Paul ab. Bis er sich die einzige Freiheit nahm, die ihm noch blieb.
Ich lernte Paul Mitte der 90er-Jahre kennen. Paul engagierte sich außerordentlich in der Kulturpolitik. Anfang 1998 wurde offenbar, dass sich in den österreichischen Museen NS-Raubgut sonder Zahl befand. Ich recherchierte unter anderem den Fall Rothschild. Mir war es ein Anliegen, dass die Republik die Kunstwerke zurück gibt. Elisabeth Gehrer, damals Kulturministerin, sagte mir, sie könne doch nicht Staatseigentum verschenken, sie brauche eine Weisung dazu. Daraufhin führte ich ein Interview mit Kanzler Viktor Klima. Er könne doch keine Weisung erteilen, sagte er. Denn Minister agieren doch weisungsfrei. Alle beteuerten: Pech, da kann man nichts machen. Nicht so Paul: Er brachte Heide Schmidt und Volker Kier dazu, einen Entwurf für ein Rückgabegesetz auszuarbeiten und einzubringen. Das setzte die Koalition unter Druck. Dass Österreich seit dem Herbst 1998 ein international mit Lob bedachtes Restitutionsgesetz hat: Das ist auch der Verdienst von Paul Griesebner.
Ein Jahr später lud Bettina Looram, die einzige nach Österreich zurückgekehrte Rothschild, Paul und mich zu sich in die Langau ein. Mit ihren Kindern führte sie uns durch den faszinierenden Rothschild-Urwald. Es war ein wunderschöner Tag. (Thomas Trenkler, derStandard.at, 03.10.2009)
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