Bildungsreform: Und ewig grüßt das Murmeltier?

Werner BecherAls Liberale bekennen wir uns zu Leistungsorientierung und eine entsprechend dem erzielten Output durchzuführende Entlohnung – das gilt natürlich auch für die Lehrerinnen und Lehrer.

Die aktuelle OECD-Studie mit ihrem jährlichen internationalen Vergleich der Bildungssysteme wird den Lehrergewerkschaftern (wieder mal) wenig Freude bereitet haben, da diese Studie zum wiederholten ml ein vollkommen anderes als von den Standesvertretern gerne gezeichnetes Bild, des überdurchschnittlich fleißigen und auch erfolgreich Wissen vermittelnden Lehrkörpers transportiert. Ein Österreichischer Lehrer hat demnach eine um sagenhafte 17% geringere Lehrverpflichtung als der durchschnittliche OECD-Lehrer (Österreich: 607Std/Jahr, OECD: 709 Std/Jahr), verdient aber trotzdem auf Basis des relevanten Lebenserwerbseinkommens deutlich mehr.

Das alles wäre für einen Liberalen aber noch nicht unbedingt Anlass zu raschem Handeln aufzurufen, wäre im Ausgleich zu überdurchschnittlichen Nehmerqualitäten der Lehrerschaft auch die Effizienz österreichischer Lehrer in entsprechendem Ausmaß gegeben, so dass am Ende der Output wieder in einem vernünftigen Verhältnis zum Input stehen würde. Genau das ist aber seit Jahren mit immer weiter sinkenden Ergebnissen unserer Schüler bei internationalen Tests (PISA, PIRLS, etc.) nicht der Fall – Österreichs Schüler fallen im internationalen Vergleich immer weiter zurück, was die Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft und damit den langfristigen Erhalt unseres gesamtes Sozialsystems massiv gefährdet.

Was deshalb tun? Neben einer SOFORTIGEN und RADIKAL Reform unseres veralteten Bildungssystems aus den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, führt meiner Überzeugung nach, wie von den Liberalen seit vielen Jahrzehnten gefordert, an einer Komplettumstellung weg von der reinen Wissensvermittlung hin zu Teamarbeit und eigenständiger Wissenserarbeitung auf Basis von Ganztagsschulen und jährlichen standardisierten Leistungstests inklusive begleitender Qualitätssicherungsmaßnahmen kein Weg vorbei.

Parallel dazu brauchen wir aber auch ein zeitgemäßes neues Besoldungssystem für das Lehrpersonal, um zukünftig nicht nur einen möglichst langen Verbleib im System entkoppelt von Einsatz und Leistung zu fördern sondern im Gegenteil engagierte und leistungsbereite Lehrer zu fördern und ihnen auch über finanzielle Anreize die „Produktion“ von gut ausgebildeten Schülern für unsere Volkswirtschaft zu honorieren, da auch unsere Jugend wie die Folgegeneration ein Recht auf eine qualitative hochwertige und zeitgemäße Ausbildung hat.

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KommentareTop

  1. Werner Becher 11.09.2009 04:24

    Wenn man sich nicht für den gesamten Bericht interessiert sondern speziell für die Analyse und Empfehlung der OECD für Österreich, dann findet man diese hier: http://www.oecd.org/dataoecd/5/31/43037384.pdf

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  2. Ruth Winkler 10.09.2009 12:29

    Ich halte das Lehrer-bashing, das die Kronen-Zeitung stets rechtzeitig zu Schulbeginn veranstaltet für eine gefährliche Entwicklung, und würde da lieber was entgegen setzen anstatt vom Sog miterfasst zu werden. Und ich hab die altmodische Ansicht, dass es sich lohnt, Studien, die zitiert werden, auch selbst anzuschauen. Nicht überraschend kommt dann nicht ganz und nicht nur das raus, was die apa-Meldungen von sich geben. Die Langfassung der Studie (”Education at a Glance”) ist mittlerweile erhältlich (die englische als pdf kostenlos auf http://www.oecd.org/document/8/0,3343,de_34968570_34968855_39283656_1_1_1_1,00.html )
    und es lohnt sich in vieler Hinsicht, sie genau anzuschauen. Man findet gewiss eine Menge Kritikwürdiges betreffend Österreich, aber natürlich kann man mit Durchschnittswerten auch viel Unsinn treiben:
    Beispiel: Die ach-so-wenigen Unterrichtsstunden:
    “The number of teaching hours in public lower secondary schools averages 709 hours per year but ranges from 545 hours in Korea to over 1 000 in Mexico (1 047) and the United States (1 080).” (Education at a Glance 2009, S. 404.) Ja, Österreich liegt dort im unteren Bereich, aber durchaus in der Nähe etlicher anderer europäischer Staaten, von denen viele im 600-700-Bereich liegen. Unter den “Ausreißern” mit über 800 Stunden sind so tolle Länder wie Mexiko, Chile, Russland. Wir wollen doch sicher dem russischen Schulsystem nacheifern? Ich sage damit nicht, dass wir nicht auf etwas mehr Jahresstunden (durch weniger Ferien!) kommen sollten, aber solche Meldungen über “Durchschnitt” sind ein Unfug.
    Und immerhin gibt es bereits einen leichten Anstieg der Arbeitszeiten:
    “With the exception of Austria, Belgium (French Community), Portugal and Scotland, in most OECD countries with available data, teaching time in primary education was about the same in 1996 and 2007. In Austria, primary teachers were required to teach 13% more in 2007 than in 1996, while in Belgium (French Community) the net contract time dropped by 16% in primary education.” (S.406)
    Auch aus den Tabellen erkennbar ist, dass in Ö die Unterschiede zwischen den Lehrergehältern sehr groß sind – das hätten wir natürlich ohne diese Studie auch gewusst.
    Hier die Länder mit offensichtlich unbeweglicher Lehrergewerkschaft:
    “salaries of teachers with at least 15 years of experience have risen relatively more quickly than both starting and top-of-the-scale salaries in Austria, Japan, the Netherlands and Portugal” (S.395) – Die ganz Top-Verdiener konnte man wohl nicht mehr hinaufverhandeln, aber die obere Mittelschicht schon. – Wer wird sich denn um Junglehrer/innen kümmern?
    Man kann wie immer bei großen Statistikunternehmungen mit Sätzen aus der Studie, wenn man sie nur gekonnt aus dem Zusammenhang löst, alles beliebige behaupten. Es würde sich aber wohl lohnen, sie sorgfältig mitsamt allem Hintergrundmaterial über die schwierige Vergleichbarkeit der Daten, zu studieren – und zu evaluieren, wo Österreich tatsächlich große Defizite hat. Dann kommt z.B. nicht nur raus, dass Ö zu wenig evaluiert, sondern auch die Schwierigkeit, WIE Qualität eines Unterrichts überhaupt zu messen sein mag, kann besser bewusst werden.
    Dass das österreichische Bildungssystem enorm umgebaut werden muss, wissen wir jedenfalls auch aus hiesiger Anschauung ohne Nachhilfe der OECD. Und ich fürchte, das zu reformierende Gehaltsschema der Lehrenden ist dabei angesichts all der anderen Brocken (einheitliche Schule der 10-14-jährigen, Lesekompetenzen, soziales Lernen…) nur ein relativ kleiner Fisch.

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    Werner Becher 11.09.2009 04:21

    Liebe Ruth, so einfach können es sich die Lehrer nicht machen!
    1) Es kann nicht jede pulizierte Bewertung ihrer Leistung als bösartiges Bashing gegen sie beleidigt abgewiesen werden
    2) Es reicht nicht, auf statistisch irrelevante Einzelpunkte einer jeder Studie hinzuweisen, ohne wissenschaftlich fundierte Studien vorzulegen, die zur Abwechslung mal das Gegenteil = das was die Lehrer behaupten, untermauern würde
    3) Wer hat gefordert, dass unsere Lehrer statt 607 Stunden derzeit zukünftig wie die Kollegen aus Mexiko mehr als 800 Stunden arbeiten? Wenn Sie angesichts eines ohenhin höheren Gehalts einfach die 17% zum OECD-Schnitt oder bspw. so wie die deutschen oder finnischen Kollegen (tatsächlich und nicht nur laut Schätzung der Lehrergewerkschaft) mehr arbeiten würden, wäre uns schon geholfen. Die Ferien zu verkürzen und auch intensiv für verpflichtende Fortbildung zu nutzen (anstatt während des Schuljahres), wäre schon mal ein erster Schritt. Lehrerzimmer anstatt Abwrackprämien rasch umbauen, dann müssen sie auch nicht mehr zu Hause arbeiten.

  3. Ruth Winkler 09.09.2009 10:45

    WinklerSo einfach wie sich Durchschnittswerte in Statistiken errechnen lassen, ist es nicht. Es gibt sowohl die Unterbezahlten als auch die Überbezahlten. Aber dass das Lehrer/innen-Dasein immer unattraktiver wird, liegt tats… Mehr lesenächlich nicht an den Gehältern sondern an den übrigen Rahmenbedingungen. Das mit den “weniger Stunden” liegt wohl in erster Linie daran, dass die Ferien in Ö viel zu lang sind, davon haben die Lehrer/innen zwar nix – die langen Ferien nützen Lehrkräften nicht zur Erholung wenn der Alltag dazwischen nicht mehr bewältigbar ist – aber es könnte schwierig werden, eine Reform der Ferienordnung einer katholischen Kirche und der österreichischen Tourismuswirtschaft beizubringen.

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  4. Otto Handle 09.09.2009 10:43

    Du Werner, jetzt muss ich schimpfen. Hab selber schon einige Jahre unterrichtet (HTL) und bestreite daß die Lehrer alles faule Säcke sind. Das stimmt wirklich nicht.

    Das Problem mit der “2-Stunden” Diskussion ist, daß die Diskutanten mal wieder nicht zugehört haben.

    Viele Lehrer(innen) unterrichten ohnehin zwischen 22 und 28 Stunden in der Klasse. Daran scheiterts eh nicht…. Mehr lesen

    Das Problem ist nur, daß jetzt zwischen 2 und 8 Stunden entgeltpflichtige Überstunden sind, und dann wären es nur mehr zwischen 0 und 6 Stunden.

    Ursachenforschung erleichtert Diskussion ;-)

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    Werner Becher 09.09.2009 10:43

    Lieber Otto. ich schimpfe nicht über die Lehrer, ich möchte die rationalen Argumente (weniger Unterrichtsstunden, mehr Gehalt, schlechte Ergebnisse der Schüler) nur verstehen – woran scheiterts konkret?

    Otto Handle 09.09.2009 10:45

    Problemstellung:
    das Bildungssystem krankt an mehreren Stellen, ebenso wie die OECD-Studie
    1)
    z.B. geht die OECD von einer angeblich relativ niedrigen Summe des BIP aus, was aus zwei gründen nicht passend ist, einerseits ist unser BIP im OECD-Schnitt relativ hoch, andererseits übersieht die OECD dass die Wirtschaft einen erheblichen Finanzierungsbeitrag leistet der in den Bundeskosten nicht enthalten ist, aber dazu gehören würde
    Stichwort “Duale Ausbildung” in der immer noch ca. 50% der Jahrgänge sind und die sicher zu mehr als der Hälfte von der Wirtschaft finanziert werden. Da kann man also ruhig 1/4 zu den OECD-Zahlen dazurechnen und dann sind wir von den Kosten her wieder im Spitzenfeld
    2)
    Die Lehrermotivation ist teilweise tatsächlich ein Problem, das mag unter anderem auch damit zusammenhängen, dass die Matura von den Klassenlehrern abgenommen wird (usw.) sprich ein echter Leistungsvergleich des Unterrichtes komplett fehlt.
    und die Leistungsunterschiede sind eklatant!
    3)
    zumindest in den Berufsbildenden Höheren Schulen fehlt es teilweise massiv an der Ausstattung… Mehr lesen
    4)
    Mein persönliches Lieblingsthema: Aus sozialer (!) und volkswirtschaftlicher Sicht wäre es dringend nötig, die BHS gegenüber der AHS Oberstufe aufzuwerten, auch finanziell, schon um die späteren Arbeitsplatzprobleme von AHS-Absolventen mit abgebrochenem Studium zu vermindern
    5)
    Das Duale Ausbildungssystem ist – wie die BHS – ein unglaubliches Asset. Hier hat der WKO-Vorstoß zur Stärkung der “Lehre mit Matura” eh eine ganz sinnvolle Initiative gestartet um auch begabtere Interessierte in die Lehre zu holen

    Werner Becher 10.09.2009 09:35

    Du klingst schon fast wie einer von der Lehrergewerkschaft :-)

    Die BHS sind meiner Meinung nach das geringste Problem, denn dort unterrichten viele Profis aus der Wirtschaft, die Spaß daran haben, und motiviert sind, neben einem Job in der Wirtschaft nebenbei auch ein wenig in der Lehre tätig zu sein.

    Löst die Gesamtschule das Problem -> NEIN, sie löst fast gar nichts von den Problemen!

    Was wir brauchen würden, wären Schulen, in denen nicht mehr Wissen in die Kinder via Frontalunterricht hineinzupressen versucht wird (was wie seit ca. 30 Jahren bekannt, ein wenig effektive Methode des Lernens ist) sondern in den das eigenständige Aneignen von Wissen gelehrt wird -> Recherchieren in Teamarbeit und berichten der Ergebnisse in der Klasse = der Lehrer als Moderator und Projektmanager und nicht als Vorleser.

    Wie sieht es mit Qualitätsmanagement im Bildungsbereich aus? Traurig, weil nicht vorhanden! Wir brauchen jährliche bundesweit einheitliche Leistungstests aller Schüler (und damit Schulen und Lehrer), um eine Benchmarking durchführen zu können und gezielt Förderprogramme aufsetzen zu können und auch den Eltern/Schülern Basisdaten für die Auswahl der Schule liefern zu können = Wettbewerb im Bildungssystem.

    Lehrerbesoldung -> siehe oben im Blogbeitrag -> wir brauchen keine pragmatisierten Beamten als Lehrer sondern leistungsgerecht entlohnte Wissensmanager, die nicht ausschließlich nach Alter sondern nach Output entlohnt werden.

    Ganztagsschule, anstatt Hausaufgaben machen zu Hause plus viel Geld für Nachhilfe -> auch davon sind wir weit entfernt -> unsere Regierung investiert lieber in Michael Jckson Konzerte und Auto-Verschrottung anstatt in die Schulinfrastruktur zu investieren (Umbau der Schulen als Ganztagsschulen und ordentliche Lehrerzimmer, damit diese nicht mehr zu Hause arbeiten müssen sondern verpflichtend ihre gesamte Dinestzeit in der Schule verbringen können und dabei auch den Schülern beim Hausaufgabe machen und lernen helfen können).

    etc. etc. -> Ideen und Vorschläge gibt es ja hunderte, nur machen tut niemand etwas!

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