Tritt Österreich aus der EU aus — oder jedenfalls aus dem Europäischen Forschungsraum?

Dr. Ronald Pohoryles
Schlau geführt, der nächste Schlag gegen die österreichische Forschung. Mit blendender Taktik und kluger Ausspähung des Gegners, nämlich der Forscherinnen und Forscher dieses Landes:

Ohne Vorwarnung, genau zur Urlaubszeit, nämlich am 17.7. informierte die Forschungsförderungsgesellschaft die staunende Forschungsgemeinde, dass das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung mit 31.8. die Zusatzfinanzierung europäischer Projekte einstellt. Damit wird es vor allem, aber nicht nur, Sozial- und Geisteswissenschaftlerinnen und –wissenschaftlern erschwert, wenn nicht gänzlich verunmöglicht, an Europäischen Projekten teilzunehmen.

Die Europäische Union fördert Forschungsprojekte lediglich zu 75%; wirtschaftsrelevante und technische Projekte können die restlichen 25% natürlich von interessierten Firmen einwerben, oder werden überhaupt von den firmeneigenen Forschungsprojekten durchgeführt.

Für sozial- und geisteswissenschaftliche Projekte sieht dies natürlich anders aus: Welche Firmen finden sich etwa, die ein Projekt über die Hintergründe des Populismus und demokratische Gegenstrategien mitfinanziert? Das ganze Programm der Europäischen Union, das sich mit Demokratiefragen beschäftigt, ist damit für österreichische Forschungseinrichtungen, die auf nicht-gewinnorientierter Basis arbeiten, nur sehr erschwert, wenn überhaupt noch, zugänglich.

Die Kurzsichtigkeit der Maßnahme ist offensichtlich: Immerhin zahlt die Europäische Kommission für jeden Euro, den Österreich in ein europäisches Forschungsprojekt investiert, drei Euro dazu…

Darüber hinaus blamiert sich die österreichische Forschungspolitik nach der überflüssigen CERN-Debatte ein weiteres Mal: Immerhin hat sich Österreich Europa gegenüber verpflichtet, am Auf- und Ausbau des Europäischen Forschungsraum mitzuwirken. Umso unverständlicher ist die Maßnahme des Ministeriums, die wohl nur als Revanche-Foul für den CERN-Ausstiegsflop verstanden werden kann. Im Regierungsprogramm war ja noch von der Bedeutung der Forschung die Rede, und Bundesminister Hahn ließ sich einschlägig plakatieren; dafür waren ja Budgetmittel vorhanden…

Besonders perfid ist der Termin des Auslaufens der Förderung. Als Stichtag wird der 31. August genannt. Das bedeutet, dass auch jene Projekte, die in der letzten EU-Ausschreibung erfolgreich waren, auf Zusatzfinanzierung nicht hoffen können. Die Kommission hat selten im Juli und August Verträge ausgefertigt; ein von der Kommission unterschriebener Vertrag ist aber die Voraussetzung für die Antragstellung auf Zusatzfinanzierung.

Popularity: 3% [?]

Lesezeichen setzen bei: del.icio.us Mister Wong Google

KommentareTop

  1. cyril 29.07.2009 11:30

    Es hat immer mehr den Anschein, dass viele Liberale zu den Grünen wechseln.

    Für dieses Phänomen habe ich exemplarisch 2 Beispiele angeführt:
    http://www.youtube.com/watch?v=kqegyI8ZCdA
    http://www.andreaslindinger.at/

    Warum gibt es diesen Abfluss an die Grünen? Warum tritt man nur in den 3 Statutarstädten in OÖ an? Tritt das LIF zu den Vorarlberger LTW an? Fragen über Fragen. ;)

    Antworten »

  2. Wolfgang Grabensteiner 25.07.2009 06:36

    Ihr seht das alle falsch, in Kürze werdet ihr in der Kronenzeitung die Wahrheit lesen, nämlich dass die böse EU dem armen Nettozahler Österreich x Millionen Forschungsförderung gestrichen hat.
    Dass in Wirklichkeit die österreichische Bundesregierung ihren 25% Anteil verweigert hat, ist ein vernachläßigbares Detail, nicht einmal der Erwähnung wert………………………..

    Antworten »

  3. Manfred Leonhardt 23.07.2009 12:09

    1. Österreich leistet ausgiebig Kofinanzierung, sowie alle anderen Länder auch, um überhaupt Gelder aus Brüssel abrufen zu können (Strukturfonds-Gelder), das ist ein EU-Prinzip
    2. Die hier angesprochene Projektlandschaft ist, wenn manfrau das so verstehen möchte, ein “Steckenpferd” der Kommission, um selbst Innovationen unterstützen und promoten zu können – hierbei sind die nationalen Strukturen sozusagen “draußen”
    3. Kofinanzierung ist ein Finanzierungsprinzip der EU – wie immer, auch hier gibt es Ausnahmen
    4. Kofinanzierungen für die Kommissions-Projekte ist zwar keine Wissenschaft, aber hierbei können und werden unterschiedlichste Techniken zur Realisierng angewandt.
    Soweit ich informiert bin und das Feld überschaue, hat der österreichische Staat nie Kofinanzierungen, auch nicht im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereichen, übernommen – auch hier gilt natürlich, dass es Ausnahmen geben könnte, dort zum Beispiel, wo entweder der Staat oder eine ausgelagerte Einrichtung selbst in einem Projekt involviert war oder ist – aber dann handelt es sich ja nicht mehr um eine klassische Drittmittel-Kofinanzierung.
    5. Ich vermute, es gab für einzelene Programme von unterschiedlichen Ministerien Unterstützungen für die Projekt-Anbahnung bzw. kleinere gehaltene Ergänzungsgelderfür bewilligte Projekte aber nie komplette Kofinanzierungen, dass diese Gelder eventuell damit gemeint sind (jedoch muss man hier sagen, diese Gelder waren nie wirklich dick und fett, eher nur nett).
    Hier könnte manfrau bei der FFG zum Beispiel nachfragen oder in den BM für Wissenschaft, Technik, Bildung, Kunst oder/und Landwirtschaft.
    Vieles, nicht alles, wird in Österreich über die FFG diesbezüglich abgewickelt.
    6. Die Kofinazierung stellt sicherlich für manche NPOS eine Herausforderung dar, vor allem dort, wo das entsprechende Know how und Erfahrungen fehlen.
    Ich kann jedoch versichern, wenn jemand wirklich an einem EU-Projekt interessiert ist, stellt die Konfinazierung selten ein wirkliches Hindernis dar – dies zeigt sich auch an den zum Teil großartigen Erfolgsquoten österreichischer EU-Projekt-Beteiligungen ohne staatliche Kofinazierungen?!!

    Antworten »

    Ronald J Pohoryles 24.07.2009 19:57

    Ich leite seit einem Vierteljahrhundert eine international renommierte Forschungseinrichtung und bin darüber entsetzt, wie manche Menschen ahnungslos bei einer wesentlichen forschungspolitischen Frage einfach vor sich hin philosophieren und unglaublichen Unsinn verzapfen, ohne sich kundig zu machen.

    Sätze wie:

    “5. Ich vermute, es gab für einzelene Programme von unterschiedlichen Ministerien Unterstützungen für die Projekt-Anbahnung bzw. kleinere gehaltene Ergänzungsgelderfür bewilligte Projekte aber nie komplette Kofinanzierungen, dass diese Gelder eventuell damit gemeint sind (jedoch muss man hier sagen, diese Gelder waren nie wirklich dick und fett, eher nur nett).
    Hier könnte manfrau bei der FFG zum Beispiel nachfragen oder in den BM für Wissenschaft, Technik, Bildung, Kunst oder/und Landwirtschaft.”

    zeigen z.B. die komplette Ahnungslosigkeit des Herrn Leonhardt. Es gab keine “Unterstützung von verschiedenen Ministerien”, vielmehr war das Wisssenschaftsministerium für die 50%ige Ko-Finanzierung aller genehmigten wissenschaftlichen Projekten zuständig und hat dies über die FFG technisch abgewickelt. Nunmehr zahlt die EU 75%, sodass dem Ministerium ein Anteil von 25% überbleibt. Die Budgets sind im übrigen keineswegs kleine, wie Sie vollkommen uninformiert schreiben. Empfehle Ihnen , in den österreichischen Forschungsbericht, der jährlich publiziert wird, zu sehen, bevor Sie solchen Unsinn schreiben. Ist zwar weniger, als unsere Politiker in der Karibik verspielt haben, ist aber noch immer recht beachtlich. Allerdings, der Hebel ist 1:3.

    Vorschlag: Zuerst informieren Sie sich, zB bei der FFG, bevor Sie solchen Unsinn posten! Gegenbenenfalls kläre ich Sie auch gerne auf…

    Manfred Leonhardt 24.07.2009 21:51

    Sehr geehrter Herr Pohoryles,
    vielen DANK für Ihr tolles Feedback – könnten SIe mir bitte das von Ihnen zitierte Info-Schreiben der FFG zukommen lassen, danke vielmals: info@manfredleonhardt.at

    Ronald J Pohoryles 26.07.2009 09:16

    Lieber Herr Leonhardt

    Findet sich auf meiner Homepage http://www.pohoryles.at.
    Zur weiteren Beschäftigung mit der Materie empfehle ich im übrigen desn ausgezeichneten FALTER-Artikel von dieser Woche (no. 30/09: die außeruniversitäre Forschung wird ausgehungert).

    Noch ein paar Hinweise, um Ihnen klarzumachen, was Halbwissen anrichten kann.

    Sie schreiben:

    “2. Die hier angesprochene Projektlandschaft ist, wenn manfrau das so verstehen möchte, ein “Steckenpferd” der Kommission, um selbst Innovationen unterstützen und promoten zu können – hierbei sind die nationalen Strukturen sozusagen “draußen”

    Ich empfehle Ihnen, im Vertrag von Maastricht von 1992 nachzusehen, der sowohl die (subsidiäre) Kompetenz der EU in der Forschungspolitik als auch die Rechte der Mitgliedsstaaten festlegt. Wenn Sie den Vertrag von Maastricht für ein Steckenpferd der EU halten, ist das Ihr demokratisches Recht; 27 Mitgliedsstaaten sehen das allerdings anders.

    “3. Kofinanzierung ist ein Finanzierungsprinzip der EU – wie immer, auch hier gibt es Ausnahmen”

    Es gibt inder Tat keine Rechtspflicht der Mitgliedsstaaten zur Kofinanzierung, sondern nur die Chance, Gelder unter der Voraussetzung der Kofinanzierung zu lukrieren. Österreich lässt hier bekannterweise viel Geld in Brüsel liegen, weil es sich um die Kofinanzierung drückt (insoweit ist auch Ihrem Punkt 1 nur beschränkt zuzustimmen).

    4. Kofinanzierungen für die Kommissions-Projekte ist zwar keine Wissenschaft, aber hierbei können und werden unterschiedlichste Techniken zur Realisierng angewandt.

    Richtig, und darunter hat die außeruniversitäre Forschung in Österreich schon länger gelitten; auch 0-Budgetierung ist natürlich eine “Technik”.

    Bitte sich zu informieren, bevor Sie in eine ohnedies heikle Debatte eingreifen!

    Manfred Leonhardt 27.07.2009 08:40

    Lieber Herr Pohoryles!

    Zu Ihrem Eingangs-Artikel:
    Ich kann Ihren Groll gut verstehen, jedoch, müssen Sie doch auch zugeben, dass die univesitären Einrichtungen in Österreich zu einer sehr priveligierten Gruppe, für EU-Projetentwicklungen, gehören, da diesen, da schon bundesstaatlich Basisfinanziert, eine Zusatzfinanzierung seitens des BMWF, gewährt wurde.
    Hier muss ich mich leider wiederholen, dass diese Möglichkeiten z.B. für NPOs oder auch Privat-Unternehmen bei der Beteiligung am 7. Rahmenprogram, nicht gegeben ist – also, diese müssen ihre Kofinanzierungen “beinhart” komplett selbst aufstellen können, wollen sie an einem Projekt des Rahmenprogramms teilnehmen – hier könnte manfrau auch von wettbewerbsverzehrenden Bedingungen sprechen, wenn nicht, und das ist meine Erfahrung dazu, die prinzipiell eher “individuell ausfinanzierte” Situation der bundesstaaatlich finanzierten Forschungsaeinrichtungen, wie FHs und Unis, zu einer “Einreichungs-Trägheit” verleiten würde, im Gegensatz zur UK-Forschungslandschaft oder zu privat geführten Einrichtungen in Österreich – ja, auch hier zeigt sich für mich, dass durch weniger Staat nicht immer ein, wie oft kolportierter, Stillstand entstehen muss.

    Festhalten musss frau man hierbei auch, dass diese von Ihnen angesprochene Zusatzfinainzierung sich ausschließlich auf das 7. Rahmenprogrammm bezieht (dort bestand diese in der von Ihnen angesprochenen Art seit Mai07) und z.B. die von Ihnen angesprochenen Projekte für Demokratie- oder für sozial- und geisteswissenschaftliche Fragen ja auch in anderen EU-Programmen bzw. EU-General-Direktionen weitaus höher, was die Gesamtsummen betrifft, abgedeckt wird.

    Inhaltlich möchte ich dazu noch anmerken, dass die nun eingestellte Zusatzfinanzierung maximal, Bi mal Daumen, die notwendige Kofinazierung um 10% verringerte und es auch durch solch ein Instrument eine 100% Ausfinanzierung nicht gewährleistet wurde (diesen Eindruck hatte ich aufgrund Ihrer Darstellung: quasi, jetzt geht gar nix mehr).

    Ihrer vermischende Darstellung bzgl. Strukturfondgelder und direkten EU-Geldern kann ich hier nicht so stehen lassen:
    Österreich läßt bei den Strukturfonds Gelder liegen.
    Das steht aber in keinem Zusammenhang mit dem hier diskutierten Zusatzservice des BMW.

    Entschuldigen möchte ich mich hier für zweierlei:
    Einerseits für den in Anführungszeichen verwendeten Begriff “Steckenpferd”, der von mir verwendet wird, um EU-außenstehenden Personen Motive darzulegen und Darlegungen über die unterschiedlichsten Kompetenz-Wirrwarre zwischen EU und Nationalstaaten zu umgehen – entschuldige mich hier für die persönliche Vereinfachung, aber ich dachte, das diese Forum ja kein FachexpertInnen-Forum sei, sondern durchwegs auch eines, um mit Nicht-FachexpertInnen, aber politsch interessierten Menschen, darüber zu diskutieren.

    Pars pro Toto gilt das eben o.g. für meine gesamten Beitrag in diesem Blog und habe mit meinem Beitrag eben auch nur auf Ihre Darstellung reagiert, die mir doch weniger in der Substanz erhellend, eher eben dogmatisch verwirrend (Äpfel mit Birnen vermischend) durch eigene persönliche Zwecke motiviert, erschien.

    Dazu möchte ich abschließend noch anmerken, dass wenn ich vor allem Ihren hier gepflegten Diskussions-Stils und -Strategien verfolge, mir nicht ganz klar entweder ob Ihrer Rolle hier im Blog (Besserwisser-Rambo oder einfacher, aber sehr gescheiter, LiF-Diskutant) oder über die Funktion des LiF-Blogs (offenes Diskussionsforum mit entsprechenden Wertschätzungen vs. sanktionierender Pseudo-Elitekreis) bin, daher sogleich und damit auch begründet meine Entschuldigung für diesen letzten Absatz – das lieber Herr Pohoryles, entsetzt mich?!!

    Ronald J Pohoryles 27.07.2009 14:13

    OOOOPS!

    >>>Besserwisser-Rambo oder einfacher, aber sehr gescheiter, LiF-Diskutant

    Dazu nur eines: Ich versuche, das Fehlerhafte an Ihren Beiträgen zu korrigieren. Vielleicht weiss ich aus meiner Erfahrung ja doch einiges besser!

    —-
    Sie schreiben:
    “die univesitären Einrichtungen in Österreich zu einer sehr priveligierten Gruppe, für EU-Projetentwicklungen, gehören, da diesen, da schon bundesstaatlich Basisfinanziert, eine Zusatzfinanzierung seitens des BMWF, gewährt wurde.
    Hier muss ich mich leider wiederholen, dass diese Möglichkeiten z.B. für NPOs oder auch Privat-Unternehmen bei der Beteiligung am 7. Rahmenprogram, nicht gegeben ist ”

    DAS IST FALSCH!

    Die Zusatzfinanzierung zu Projekte aus dem EU-Rahmenprogramm sowie die Anbahnungsfinanzierung stand selbstverständlich allen offen, sowohl Universitäten als auch anderen Forschungseinrichtungen und Privatfirmen. Info dazu, wie schon vorher empfohlen: FFG.
    ist aber nur von historischem Interesse, da ja, wie in meinem Beitrag erwähnt, die Zusatzfianzierung mit 31.8. ersatzlos ausläuft.

    —-

    Sie schreiben:
    “diese von Ihnen angesprochene Zusatzfinainzierung sich ausschließlich auf das 7. Rahmenprogrammm bezieht”

    DAS IST FALSCH!

    Die Zusatzfinanzierung von EIU-Forschungsprojekten gibt es seit Österreichs Beitritt zur EU, und das in nahezu unveränderter Form. Das die FFG die finanzielle Abwicklung für das BMWF übernommen hat(te), hat für die erfolgreichen Forschergruppen nichts verändert.

    —-

    die von Ihnen angesprochenen Projekte für Demokratie- oder für sozial- und geisteswissenschaftliche Fragen ja auch in anderen EU-Programmen bzw. EU-General-Direktionen weitaus höher, was die Gesamtsummen betrifft, abgedeckt wird.

    UND ZWAR IN WELCHEN? WIEDERUM EIN TYPISCHER UNSINN!

    —–

    Inhaltlich möchte ich dazu noch anmerken, dass die nun eingestellte Zusatzfinanzierung maximal, Bi mal Daumen, die notwendige Kofinazierung um 10% verringerte

    ICH KENNE IHREN DAUMEN NICHT, UND MIT BI MEINEN SIE WAHRSCHEINLICH DEN GRIECHISCHEN BUCHSTABEN PI, MATHEMATISCH ALSO 3,41459… EINE KOFINANZIERUNG VON 0 ERGIBT AUCH BEI EINER MULTIPLIKATION MIT PI = UND NICHT EINE REDUKTION UM 10%, SONDERN UM 100%!

    Sie schreiben:

    “Ihrer vermischende Darstellung bzgl. Strukturfondgelder und direkten EU-Geldern kann ich hier nicht so stehen lassen:
    Österreich läßt bei den Strukturfonds Gelder liegen.
    Das steht aber in keinem Zusammenhang mit dem hier diskutierten Zusatzservice des BMW.”

    ICH MÖCHTE SCHON DARAUF HINWEISEN, DASS ICH HIER GAR NICHTS VERMISCHE: ES HANDELT SICH UM EINE GENERELLE MISSACHTUNG DER EUROPÄISCHEN POLITIK DURCH DIE ÖSTERREICHISCHEN BEHÖRDEN. WENN IHNEN DER ZUSAMMENHANG NICHT DEUTLICH WIRD, KANN ICH IHNEN AUCH NICHT HELFEN!

    Ich geb’s langsam auf; Sie wollen nicht verstehen. Es handelt sich hier keineswegs um hämische Polemik, sondern um sachliche Klarstellung. Ich bin auf jeden Ihrer Punkte eingegangen, und sie meisten sind einfach sachlich falsch. Jeder kann sich im einzelnen darüber informieren, Punkt für Punkt. Ich habe auf jeden einzeln geantwortet, aus Verantwortung für die österreichische Forschungspolitik. Wenn Sie sich dadurch beleidigt fühlen, tut es mir schrecklich Leid – Alternative wäre, sich ordentlich zu informieren. An öffentlich zugänglichen Information mangelt es nicht, und die FFG ist gerne bereit, Ihnen ergänzende Auskünfte zu geben.

    Manfred Leonhardt 27.07.2009 18:29

    Lieber Herr Pohoryles – ist ja richtig lustig hier mit Ihnen!

    Ich denke, inzwischen wissen (zumindest) wir beide, worüber wir eigentlich diskutieren (solten) und dass es leider hier inzwischen nicht mehr um die Sache selbst geht, sondern eher um Persönliches.
    Ich kann das nun nur von mir sagen, dass dasfür mich aus dem Zusammentreffen Blog (ich bin ja hier in keinem Fachgremium, oder?), mit der Art Ihres Eingang-Statements und letztendlich auch mit Ihrer Art hier oder per Email mit mir zu diskutieren, wenn frauman das als solches bezeichnen kann, zu tun hat.

    Um in Ihrer Diktion fortzufahren, der Zugang zur Zusatzfinzierung, von der wir hier reden, ist für folgende Zielgruppe vorgesehen: Unis, FHs, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Einzelforschende und sonstige Einrichtungen nur bei besonders begründeten Interessen.
    Von der Anbahnungsfinazierung, die Sie zitieren in Ihrer Replik, war ja in Ihrem Blog-Beitrag, wie ich nun (leidlich) erfahren habe keine Rede, oder?

    Wiederum in Ihrer Diktion: Laut FFG und BMWF wurde ausschließlich die Zusatzfinanzierung für das 6. und 7. Rahmenprogramm eingestellt, oder?
    http://www.bmwf.gv.at/eu_internationales/eu_forschung/7_rahmenprogramm/zusatzfinanzierung_im_7_rp/

    EU-Demokratieprojekte finden Sie, als ein Beispiel, hier:
    http://ec.europa.eu/europeaid/where/worldwide/eidhr/index_en.htm

    Für ALLE, die diese Diskussion (leider) mitverfolgten, auch ich werde, wie mein Kontrahent, meine Beiträge diesbezüglich einstellen (nachdem auch ein persönliches Einlenk-Email von mir nicht angenommen wurde, sondern zu diesem Blog-Beitrag führte).

    Ich habe inzwischen keine Lust mehr, mir dauernd Halbwissender, Uniformierter, Unbelehrbarer, Vorurteilsbehafteter, Unbedachte Äußerungen für die Allgemeinheit, Unsinnverzapfer usw. unter dem Deckmantel einer emotionslosen, sachlichen und demgogiefreien Darstellung vorwerfen zu lassen.

    Ich gehöre leider nicht zu der alles Krankjammern-, aus der Mücke- einen-Elefanten- machen- und statt Bi-mal Daumen-PI mal Daumen-machenden- (hierbei wurde ich doch glatt von Herrn Pohoryles als Legastehniker :-) entlarvt) -Fraktion.
    Solche politschen Entscheidungen, die zu dieser Diskussion geführt haben, wird es (gerade eben in Zeiten von Konjunktur-Zyklen) immer geben (nicht nur in der Forschung, siehe Sozialbereich, hier wird meistens noch früher begonnen zu kürzen) und ich wollte mit der Diskussion hier aufzeigen, erstens, dass das immer nach den Staat rufen durchaus auch diskutiert und hinterfragt werden kann (wie hier bei diesem Anlassfall – aber soweit sind wir leider nicht wirklich gekommen) und zweitens, dass ich nach wie vor der Meinung bin, dass die Art und Weise des Eingangsbeitrags zu diesem Thema für mich nach wie vor verwirrend, überzogen bis populistisch, aus hier dargelegten Gründen, wirkt – wollte das hier NUR diskutieren und nicht damit in einen Blog-Nahkampf eintreten.
    Sollte sich hier in diesem Blog jemand durch mich persönlich angegriffen fühlen und ich mich bei dieser Person noch nicht entschuldigt haben, dann tue ich das hiermit.
    Mit liberalen Grüßen
    Manfred Leonhardt der Libero

  4. Ruth Winkler 23.07.2009 09:05

    Das ist ja ein ganz arger Hammer! Ist das tatsächlich weder ein deplazierter Aprilscherz noch eine hitzebedingte Täuschung? Wirklich wahr? Ja, ist denn dieses Alpenprovinzlein noch zu retten???
    Meint Ihr nicht, wir sollten größeren – viiieel größeren – Lärm darüber (und über die Wissenschaftsage in Ö generell) schlagen, als uns nur auf diesem Blog entsetzen?

    Antworten »

    Ronald J Pohoryles 23.07.2009 09:09

    Der Witz liegt ja in der Perfidie: Die Massnahme wurde in der Sommerzeit getroffen und veröffentlicht. Ich habe sofort ein Rundmail an all meine Kolleginnen und Kolegen versandt, die meisten sind aber auf Urlaub…

    Ruth Winkler 23.07.2009 09:18

    Sie kommen vom Urlaub wieder zurück. Du hast natürlich ganz recht, der Termin ist irre – und dass das Timing Zufall ist, glaubt wohl niemand.

    Florian S. 23.07.2009 18:07

    @Ronald J Pohoryles
    Wenn der Termin absichtlich so gewählt wurde, wäre das eine wirklich schäbige Vorgehensweise. Im Gesamten geht es aber um die großen Prioritäten einer Regierung und damit ums Geld. Forschung ist in meinen Augen einer der wenigen Bereich, wegen dem ein Staat auch langfristig Fremdkapital aufnehmen “darf”. Es handelt sich schließlich bei Forschungsausgaben langfristig um eine Investition mit oftmals einem hohen ROI für den Staat. Leider hat sich die Situation auch in Deutschland verschlechtert. Die meisten EU-Länder fahren derzeit solche nachhaltigen Initiativen gerade in den Bereichen der Grundlagenforschung und/oder Geistes- und Sozialwissenschaften zurück.

  5. Florian S. 22.07.2009 15:29

    Die Lissabon Strategie (2000 beschlossen) wäre von der Zielsetzung richtig und wichtig gewesen. 2010 wird es wohl aber nichts mit dem auf “Innovation und Wissen” basierten dynamischen Weltmarkt.

    Die EU Kommission setzt in ihrer wirklichen Agenda weiterhin auf die Subvention der landwirtschaftliche Großindustrie, statt in die Zukunft zu investieren.

    Ich bin für die wesentlichen Ziele der EU, aber man muss doch feststellen, dass Ankündigung und Ergebnis im diametralen Gegensatz zueinander stehen.

    Antworten »

    Ruth Winkler 23.07.2009 09:15

    Stimme zu, dass die Prioritäten der EU-Förderungen nach wie vor schief liegen, aber das enthebt Österreich nicht von seinem Teil. Es gäbe ja trotz aller falscher Prioritäten auf EU-Ebene wichtige Projekte, für die etwas an EU-Geld da wäre (zu wenig usw, aber immerhin) und wenn Österreich meint, es zahlt seinen Teil nicht dazu, dann finden diese Projekte eben woanders als in Österreich statt. AbsolventInnen von Geistes- und Sozialwissenschaften haben jetzt schon reichlich Gelegenheit zu staunen, was es in Österreich alles an Stipendien und Fördertöpfen NICHT gibt, das etwa in Deutschland und anderen Ländern (trotzdem es überall zu wenig ist) da wäre. Wenn jetzt noch die Ebene der EU-Förderungen wegfällt, kann man österreichischen AbsolventInnen gleich nur mehr raten, aus Österreich wegzugehen, oder den Leuten sagen, sie sollen halt den idealistischen Weg wählen – Wissenschaft neben einem anderen Brotberuf so nebenbei ein bisschen betreiben (was sich abgesehen von der Zumutbarkeit für die Betroffenen nolens volens auch auf die Qualität der Arbeit auswirken muss!)

    Florian S. 23.07.2009 16:03

    @Ruth Winkler
    Stimmt. Die Nationalstaaten haben natürlich Handelungsbedarf. Österreich hält sich meiner (nicht aktuellen) Information nach auch bei Weitem nicht an die in der Lissabon Strategie vereinbarte Forschungsquote von 3%.

    Im Haushaltskontrollausschuss des EP wurde übrigens der Liberale MEP Luigi de Magistris diese Woche zum Vorsitzenden gewählt. Auch mit der Unterstützung des unabhängigen MEP Martin Ehrenhauser. Die ÖVP hat bezeichnender Weise ihre Bauernbündlerin in eben diesen Ausschuss entsendet.
    http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20090722_OTS0085

  6. Werner Becher 22.07.2009 14:39

    Wozu in Forschung investieren, wenn man stattdessen auch zusätzliche Terminals um 800 Mio am Flughafen bauen kann, Löcher in die Koralm graben kann – die beide keiner braucht – oder mit Asset Backed Securities spekulieren kann, etc.

    Antworten »

  7. Daniel G. 22.07.2009 12:34

    Um es ganz hart zu sagen. Erschreckend. Solche Überlegungen nach dem Rückzug für dem geplanten CERN-Ausstieg auch nur anzudenken ist eine Schande für den Forschungsstandort Österreich.
    -
    Als akademisch zwar im technischen Bereich Angesiedelter, aber äußerst interdisziplinär in denkender relativ junger Österreicher, frage ich mich ernsthaft ob hinter solchen Handlungen nachvollziehbare Überlegungen stehen können.
    -
    Irgendjemand scheint hier seine Aufgabe bzw. die zukünftige Rolle und Möglichkeiten Österreichs nicht wirklich verstanden zu haben.

    Antworten »

Kommentar verfassen

(Bitte füllen Sie alle Felder mit * aus)

wird nicht veröffentlicht

wird nicht veröffentlicht

optional