Aufgaben von Unternehmen

Die deutsche Wochenzeitung “Die Zeit” hat kürzlich folgende Frage gestellt: “Ist es moralisch vertretbar, wenn Unternehmen Rekordgewinne erzielt haben und gleichzeitig ankündigen, Mitarbeiter zu entlassen?” Der Medienboulevard – und vermutlich fast alle politischen Vertreter dieses Landes – würden diese Frage reflexartig mit “Nein” beantworten.

Unternehmenspflicht. Doch was ist die Aufgabe von Unternehmen? Sollen sie nicht das von ihren Eigentümern/ Aktionären eingesetzte Kapital bestmöglich verzinsen, da bei relativ schlechter Verzinsung zu anderen am Markt tätigen Unternehmen, die Aktionäre sich rasch anders orientieren würden? Würde auf diese Weise ausgedünntes Eigenkapital nicht zwangsläufig weniger Investitionen und kaum noch Möglichkeiten zur Bildung von Rücklagen zur Folge haben? Können Unternehmen mit nur geringen Rücklagen in schwierigeren Zeiten Arbeitsplätze erhalten und ohne Investitionen in guten Zeiten neue schaffen?

Die primäre Aufgabe privatwirtschaftlicher Unternehmen ist es nicht, möglichst viele – nicht wirklich benötigte – Arbeitsplätze zu schaffen, sondern die Ertragslage zu optimieren und gleichzeitig nachhaltig den Bestand zu sichern.

In den vergangenen Jahren haben einige Manager eine kurzfristige Gewinnmaximierung gegenüber nachhaltigen Strategien bevorzugt – und damit an den Börsen quartalsweise für Jubelmeldungen gesorgt.

Die daraus resultierende hohe Nachfrage nach kurzfristigem Finanzkapital hat zu immer fantasievolleren und von der Realwirtschaft letztendlich losgelösten Finanzprodukten geführt, die durch den enormen Hebel ihrerseits dann zu extrem stark wachsendem Finanzkapital geführt haben.

Genau diese, dadurch provozierte, Entkoppelung des Wachstums von realem Sachkapital zu Finanzkapital ist dabei eine der wesentlichen Ursachen der aktuellen Finanzkrise, deren externe Kosten nun von der Allgemeinheit bezahlt werden müssen.

Unternehmensrecht. Für die meisten österreichischen KMU – also mehr als 95 Prozent unserer Unternehmen – war kurzfristiger Shareholder-Value nie ein Thema. Auch der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) ist ihnen nicht neu, da sie das Stakeholder-Prinzip schon sehr lange als Managementphilosophie leben.

Die Politik hat deshalb, national wie international, die Verantwortung, dem Kasino-Kapitalismus Zügel anzulegen. Um dann eine Rahmenordnung für Unternehmen für eine freie Marktwirtschaft verbindlich zu vereinbaren.

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KommentareTop

  1. Bastl 17.12.2008 09:56

    Lieber Werner
    “Unternehmenspflicht. Doch was ist die Aufgabe von Unternehmen? Sollen sie nicht das von ihren Eigentümern/ Aktionären eingesetzte Kapital bestmöglich verzinsen, da bei relativ schlechter Verzinsung zu anderen am Markt tätigen Unternehmen, die Aktionäre sich rasch anders orientieren würden? Würde auf diese Weise ausgedünntes Eigenkapital nicht zwangsläufig weniger Investitionen und kaum noch Möglichkeiten zur Bildung von Rücklagen zur Folge haben? Können Unternehmen mit nur geringen Rücklagen in schwierigeren Zeiten Arbeitsplätze erhalten und ohne Investitionen in guten Zeiten neue schaffen?”

    Das kommt ganz auf die Rechtsform des Unternehmens und die festgelegten Ziele an. Eine Genossenschaft zum Bsp. hat nicht Primär die Kapital oder Kapitalsverzinsungsmaximierung zur Folge.
    Ich habe bereits mit einigen Kleinunternehmern gesprochen. Das Ziel einiger davon ist es zwar auch, eine Kapitalverzinsung über dem Einlagen Leitzinssatz zu erreichen, aber auch Gesellschaftlich aktiv zu sein (Lehrlinge auszubidlen, weil sie die Bildungspolitk in Österreich kritisieren, …) oder mehr Arbeitsplätze zu schaffen.
    Eine Gewinnmaximierung muss nicht gfundsätzlich gegen eine Arbeitsplatzerhaltung sprechen, aber wie du bereits erwähnt hast, muss ein Geweinn auch nachhaltig verwendet werden.

    Ich frage mich auch, ob es beonders schlau ist, auf der einen Seite Aktien von Unternehmen zu kaufen die für sehr kurzfristige Gewinnmaximierung bekannt sind, und auf der anderen Seite gegen den Arbeitsplatzabbau zu wettern.

    Antworten »

    Werner Becher 17.12.2008 10:42

    “Ich frage mich auch, ob es besonders schlau ist, auf der einen Seite Aktien von Unternehmen zu kaufen die für sehr kurzfristige Gewinnmaximierung bekannt sind, und auf der anderen Seite gegen den Arbeitsplatzabbau zu wettern.”
    -> genau das hat bspw. bis vor wenigen Monaten die Bawag mit einem Kernaktionär Österreichischer Gewerkschaftsbund gemacht!

    Als Liberaler wünsche ich mir aber natürlich auch kein Wirtschaftssystem, dass ausschließlich aus Genossenschaften und Staatsbetrieben besteht sondern eine freie Marktwirtschaft mit privaten Unternehmen.

    Unternehmen die aber langfristig denken (Forschung, Ausbildung von Lehrlingen, neue Maschinen/Technologien, etc.) müssen investieren und schmälern damit temporär/kurzfristig (für den nächsten Börsenbericht) Ihren Gewinn und haben damit das Problem, im Vergleich zu Mitbewerbern kurzfristig schlechtere Renditen ausweisen zu müssen.

    Welche Aktionäre interessieren sich tatsächlich für nachhaltiges Management?
    Wie kann man das messen/erkennen?
    Wie kann man diesen irrationalen Trend wieder hin zu Vernunft und damit zum Vorteil langfristig orientierter und damit beständiger Unternehmen umkehren und damit die sog. Realwirtschaft gegenüber Schaumschlägern stärken?

  2. Tom 12.12.2008 09:15

    Um die Krise zu verstehen und zukunftigen Krisen (dies ist ja bereits die Dritte große) vorzubeugen, muss in meinen Augen vor allem das Finanz/Wirtschaftssystem selbst begutachtet werden. Menschliches Verhalten als Reaktion auf Anreize … wäre hier die Perspektive.
    Wenn Strukturen geschaffen werden, wird nur ungenügend berücksichtigt wie diese dann mit Menschen interagieren.

    Immer wenn man mit Experten in bestimmten Gebieten spricht, merkt man wie wenig bestehende Strukturen hinterfragt werden. Experten können meist nur sehr gut darüber Auskunft geben “wie es ist”, seltener “warum es so ist” und kaum “wie es anders sein könnte”. Der Großteil unserer Gesellschaft ist aber von Menschen geschaffen, manches ist reaktiv entstanden, manches vollkommen willkürlich, usw. Die Dinge die für uns statisch und fest geregelt sind, sind dies eigentlich nur, weil sie niemand ändert. Es ist nie vergebens zu hinterfragen, ob die Entscheidungen richtig waren, heute noch angebracht sind, usw. Besonders langfristige Konsequenzen und menschliches Verhalten sind immer schwer vorhersagbar, die Unfehlbarkeit von vergangenen Entscheidungen in der Zukunft ist folglich ein vollkommener Fehlschluss. Gerade wenn Probleme auftreten, ist die Kontrolle der zugrundeliegenden Strukuren eigentlich ein Muss.

    Ein klassischer Fehler besteht jedoch gerade darin, Kritiker zu ignorieren und sich über sie lustig zu machen. Und zwar auch dann, wenn sich zeigt, dass sie tatsächlich recht hatten.
    Sucht man Antworten für ein Problem, sollte man eigentlich immer auch jene befragen, welche vor dem Problem gewarnt haben.

    ———

    Was die Aufgaben von Unternehmen angeht, so würde ich die gestellte Frage theoretisch mit “Ja” beantworten. Es fehlen allerdings Informationen zu Rahmenbedingungen. Entscheidend sind die Gründe für die Kündigungen, nicht die Rekordgewinne.
    Generell würde ich jedoch nicht von Unternehmen sprechen, um nicht davon abzulenken, dass die Enscheidungen von Menschen getroffen werden. Und an diese sollten auf jeden Fall Ansprüche von Moral, Fairness, Menschlichkeit, oder wie auch immer man es nennen will, gestellt werden, statt ihnen zu erlauben sich hinter “dem Unternehmen” zu verstecken.
    Solange die Gründe für die Kündigungen, sowie Konsequenzen (zb für verbleibende Angestellte) solchen Ansprüchen standhalten, können meines Erachtens Kündigungen (genauso wie alles Andere auch) vorgenommen werden wie es beliebt.

    Antworten »

    Häferl 22.12.2008 13:14

    Diese Frage wird abgesehen von den Liberalen und vielleicht noch einigen Wirtschaftsbündlern keineswegs häufig mit “JA” beantwortet sondern meist mit einem klaren “NEIN“.

    Macht ein Unternehmen Gewinne, dann ist das für viele nur ein klares Zeichen dafür, dass dieses Unternehmen zu wenige Menschen beschäftigt und deshalb unbedingt noch welche anstellen sollte, da „Unternehmen in erster Linie Arbeitsplätze zu schaffen haben“ – wie ich sehr oft höre.

    Welcher Geisteshaltung entspringen solche absurfen Phantasien?

    Warum dürfen Menschen nach dem Motto „Geiz ist geil“ von Diskonter zu Diskonter eilen und die billigsten Produkte zum Zwecke der eigenen „Gewinnmaximierung“ beschaffen, von Unternehmern erwartet man aber gleichzeitig Altruismus, Uneigennützigkeit, Selbstlosigkeit, etc.

  3. Alexander Hofmann 11.12.2008 12:51

    Die gegenwärtige Krise hat ihre Ursache auch darin, dass Manager unverhältnismäßig hohe Risken eingegangen sind, um die Ergenibsse zu schönen. In den Bilanzen wurde dies aber nicht entsprechend abgebildet. Die Aufsichtsbehörden haben den Schwindel nicht entdeckt und zu spät reagiert. Deshalb hat die Informationsfunktion des Marktes versagt. Es ist daher nur recht und billig, wenn der Staat für die Gutmachung der daraus resultierenden Schäden gerade steht.

    Es ist aber nicht die Aufgabe des Staates, sich in der Regel um die Finanzierung von Unternehmen und die Abfederung gewöhlicher unternehmerischer Risken zu kümmern.

    LIberale stehen für Marktwirtschaft mit strengen Spielregeln, die Lug und Trug unterbinden.

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  4. Stefan D. 11.12.2008 10:51

    “Würde auf diese Weise ausgedünntes Eigenkapital nicht zwangsläufig weniger Investitionen und kaum noch Möglichkeiten zur Bildung von Rücklagen zur Folge haben?”-
    Wie man an der aktuellen Krise bei den Banken und der Autoindustrie erkennen kann, werden ohnedies keine oder nur zuwenig Rücklagen gebildet, egal wie stark zuvor rationalisiert und gewinnoptimiert wurde.
    Der hohe Einfluss einzelner Konzerne an der Wirtschaftslage “zwingt” den Staat in schwierigen Zeiten zu einer “Finanzspritze” und so stellt sich die Frage nach der Ausgewogenheit, wenn in guten Zeiten zwar brav die Investoren und Eigentümer abcashen, aber im schlechten Zeiten der Steuerzahler sein Börserl zücken muss.

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    Werner Becher 12.12.2008 12:50

    Ich stimme Dir zu und teile Deine Meinung, dass genau dieser Verzicht auf Nachhaltigkeit und stattdessen einer in vielen Fällen fast ausschließlichen Orientierung an vierteljährlichen Börseberichten eine der Kernursachen des Problems ist.
    Wenn man als Eigentümer aber seinem Management Bonifikationen und Optionen genau nach diesen quartalsweisen Gewinnen bezahlt, was wird das Management dann wohl tun? Wird ein derart entlohntes Management in Forschung und Entwicklung investieren und an einem langfristigen Wertzuwachs des Unternehmens interessiert sein oder sich eher auf Bilanztricks und dgl. konzentrieren um ausschließlich kurzfristig optisch nach außen hin ein Unternehmen gut aussehen zu lassen?

    Die Frage lautet deshalb, wie bringt man Aktionäre dazu, nicht nur kurzfristig zu denken sondern nachhaltig in dann tatsächlich werthaltige Unternehmen zu investieren, deren Börsenwert dann auch wieder wie in der Theorie den tatsächlichen Wert des Unternehmens repräsentiert.

    Die im EU-Parlamanet leider schon viel zu lange nur diskutierte Tobin-Tax würde zu höheren Transaktionskosten führen und damit kurzfristige Investments weniger interessant machen = die Volatilität des Marktes reduzieren. Das wäre doch ein erster Schritt in die richtige Richtung.

  5. Christoph G. 11.12.2008 03:22

    “Genau diese, dadurch provozierte, Entkoppelung des Wachstums von realem Sachkapital zu Finanzkapital ist dabei eine der wesentlichen Ursachen der aktuellen Finanzkrise, deren externe Kosten nun von der Allgemeinheit bezahlt werden müssen.” – Wir erliegen immer der Verlockung des schnellen Weges (hier der Weg zum Geld). Aber jeder sollte kritisch hinterfragen, ob denn “phantasievollere” Finanzprodukte aufgrund des Angebotes nicht einer rationalen Grundlage entbehren!

    Das Leistungsstreben des Menschen (welche ich als positiv sehe) treibt sehr viele tagtäglich zu immer noch mehr an, was sie besitzen wollen und besitzen müssen. Leider suggeriert uns die Konsum-Gesellschaft, dass Menschen diese oder jene Produkte auch noch brauchen, um das menschliches Glück auf Erden zu finden. Dafür braucht jede/r einzelne mehr Kapital und noch mehr Kapital. Und dies mit immer weniger werdender Rüchsicht auf andere, den jede/r von uns will sich dies alles für sich alleine “leisten” können. Und wer auf dem Weg dorthin liegen bleibt, kein Problem, wir leben ja auch noch in einer Wegwerf-Gesellschaft, wenn kümmert es!

    Das Hier und Jetzt zählt, bis das Konstrukt irgendwann in sich zusammen fällt. Das Glück liegt in uns selbst! Auch wenn es Geld zum Leben bedarf, acht mehr Geld nicht linear oder exponentiell dazu glücklicher! :-) Einfacher Kapitalismus reicht aus, braucht es denn dazu eines Turbo-Kapitalismus?!

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